Aktuelle Konjunkturprognose des DIW Berlin 2007/08: Festigung des Aufschwungs in Deutschland

Von: Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung Berlin (DIW)  25.07.2007
Keywords: Finanzen, Wirtschaftsforschung

Aktuelle Konjunkturprognose des DIW Berlin 2007/08: Festigung des Aufschwungs in Deutschland DIW Berlin rechnet mit 2,6% BIP Wachstum in diesem und mit 2,5% im nächsten Jahr Die Prognose in Kürze Der Aufschwung in Deutschland hält an und wird zunehmend von der Binnennachfrage getragen. Für 2008 erwartet das DIW Berlin ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 2,5% nach 2,6% in diesem Jahr. Konjunkturmotor sind derzeit die Investitionen. 2008 übernimmt diese Rolle der private Verbrauch, der durch steigende Beschäftigung und größere Masseneinkommen gestärkt wird. Die wirtschaftliche Entwicklung führt zu einem deutlichen Rückgang der Arbeitslosenquote von 10,6% in 2006 über 8,8% in 2007 auf 7,9% im Jahr 2008. Die Verbraucherpreise stabilisieren sich bei einer Inflationsrate von jeweils 1,9% in 2007 und 2008. Der Staatshaushalt wird im laufenden Jahr beinahe ausgeglichen sein, und bereits 2008 sind Budgetüberschüsse möglich. Details Die weltwirtschaftliche Wachstumsdynamik setzt sich im Prognosezeitraum mit nur wenig verlangsamtem Tempo fort. Auch deshalb bleiben die konjunkturellen Perspektiven in Deutschland eindeutig aufwärts gerichtet. Nachdem in den letzten Jahren die Entwicklung an den Exportmärkten dominierte, wird jetzt die Binnennachfrage zunehmend bedeutender. Ihr Wachstumsbeitrag steigt auf über 80%, nach 57% in 2006. Im laufenden Jahr wird die Entwicklung vor allem durch die Expansion der Ausrüstungsinvestitionen getrieben, die mit Raten um 9% steigen. Ursächlich hierfür sind der aufgestaute Modernisierungsbedarf und die Gewinnsituation der Unternehmen, die sich infolge der Lohnzurückhaltung der letzten Jahre enorm verbessert hat. Die Konsumnachfrage der privaten Haushalte steigt im laufenden Jahr nur moderat. Bremsend wirkt sich die Erhöhung der Mehrwertsteuer zu Jahresbeginn aus. Im nächsten Jahr wird der Konsum aber mit 2,5% deutlich stärker expandieren. Dazu tragen neben einer besseren Beschäftigungssituation auch reale Lohnsteigerungen bei. Konjunkturell bedingt erholt sich der Arbeitsmarkt, was zu einem deutlichen Rückgang der Arbeitslosenquote auf 8,8% in 2007 und 7,9% im Jahr 2008 führt. Die Arbeitslosenzahl in der von der Bundesagentur für Arbeit gemessenen Abgrenzung sinkt jahresdurchschnittlich auf 3,7 Millionen in 2007 und 3,3 Millionen in 2008. Einem rascheren Abbau steht ein zunehmender Fachkräftemangel entgegen. Die Zahl der Erwerbstätigen nimmt in 2007 um 500 Tausend und im kommenden Jahr nochmals um 250 Tausend jahresdurchschnittlich zu. Die Ausweitung erfolgt insbesondere bei den sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmern. Der Anstieg der Verbraucherpreise wird im Prognosezeitraum bei 1,9% pro Jahr nach nur geringfügig niedrigeren 1,7% in 2006 liegen. Preistreibende Effekte ergeben sich aus der Mehrwertsteuererhöhung und der für den Aufschwung typischen Anspannung der Kapazitäten. Dämpfend wirken die gesunkene Belastung der Unternehmen bei den Lohnnebenkosten. Zwar sind die Rohstoffpreise zu Beginn des Jahres noch einmal kräftig gestiegen, dies wurde jedoch durch die Aufwertung des Euro weitgehend kompensiert. Die Risiken der Prognose sind überschaubar. Unsicherheit geht weiter von den außenwirtschaftlichen Ungleichgewichten aus. So stehen den Leistungsbilanzdefiziten der USA hohe Überschüsse vor allem in Asien gegenüber. Die Ungleichgewichte könnten zu einer erhöhten Volatilität an den Finanzmärkten beitragen und eine drastische Abwertung des US-Dollar gegenüber Euro und Yen auslösen. Daneben könnte ein Rückgang der Immobilienpreise in den USA die dortige Nachfrage dämpfen und über Multiplikatoreffekte auch die Entwicklung in Deutschland treffen. Allerdings zeigen die bisherigen Erfahrungen, dass eine Abkühlung an den Immobilienmärkten nicht zu einer deutlichen Abnahme der wirtschaftlichen Dynamik führen muss. Im laufenden Jahr wird das staatliche Defizit auf unter 2 Mrd. Euro sinken. Damit kann erstmals seit langem ein fast ausgeglichener Haushalt vorgelegt werden. 2008 können Überschüsse erzielt werden. Diese erfreuliche Entwicklung ist vor allem auf die wieder stärker sprudelnden Steuereinnahmen und die positive Arbeitsmarktentwicklung zurückzuführen. Die Finanzpolitik darf sich jedoch angesichts der momentanen Mehreinnahmen nicht zu Maßnahmen verleiten lassen, die in der gegenwärtigen Phase prozyklisch wirken und die Spielräume für ein antizyklisches Eingreifen im nächsten Abschwung einengen. Konjunkturbedingte Mehreinnahmen sollten deshalb bei weiter moderatem Ausgabenwachstum zum Abbau des staatlichen Schuldenstandes verwendet werden. Arbeitsmarktpolitik und Konjunktur Angesichts hoher Überschüsse der Bundesagentur für Arbeit sind derzeit weitere Senkungen der Beiträge zur Arbeitslosenversicherung in der Diskussion. Dafür sprechen vor allem der internationale Lohnkostendruck und die ordnungspolitisch gebotene Steuerfinanzierung versicherungsfremder Leistungen. Dagegen stehen kon-junkturpolitische Erwägungen. Durch eine Senkung der Beitragssätze in wirtschaftlich guten Zeiten würde der Aufschwung zusätzlich beschleunigt. In schlechten Zeiten besteht die Gefahr, die Beitragssätze wieder erhöhen zu müssen, wodurch die Konjunktur belastet würde. Daher sollte die Bundesagentur eine Konjunkturrücklage bilden, um eine stetigere Finanzierung ihrer Ausgaben zu erreichen. Die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung können dauerhaft gesenkt werden, wenn versicherungsfremde Leistungen über Steuern finanziert werden. In den aktuellen Tarifauseinandersetzungen erheben Interessensvertretungen einzelner Berufe für ihre Klientel Forderungen, die weit über das hinausgehen, was gesamtwirtschaftlich an Lohnerhöhungen verantwortbar ist. Ein Nachgeben gegenüber solchen Forderungen würde das bestehende Modell der sozialpartnerschaftlich ausgerichteten Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Branchengewerkschaften in Frage stellen. Damit ginge auch der Konsens verloren, dass Löhne nur in einem angemessenen Rahmen steigen können, weil ansonsten die Europäische Zentralbank über Zinsanhebungen dafür sorgt, dass sich die Inflation in Grenzen hält - was wirtschaftliches Wachstum und Arbeitsplätze kosten kann. Pressestelle DIW BerlinDeutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin)German Institute for Economic ResearchMohrenstraße 5810117 BerlinTel. +49-30-897 89 249Fax +49-30-897 89 119mailto:presse@diw.dewww.diw.de

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