Deutsche Wirtschaft weiterhin in robuster Verfassung

Von: Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung Berlin (DIW)  03.04.2008
Keywords: Wirtschaftsforschung

Die Turbulenzen im Zuge der Finanzkrise haben die Konsumdynamik in den USA verlangsamt und die Wachstumsaussichten deutlich reduziert. Damit entwickelt sich die Weltwirtschaft etwas schwächer als noch zu Jahresbeginn erwartet. Zusammen mit dem starken Euro dämpft dies die Ausfuhren der Unternehmen. Allerdings steht ein abrupter Einbruch der Exportkonjunktur in Deutschland nicht bevor. Zum einen wirken Kurssicherungsgeschäfte aus dem Vorjahr nach, und zum anderen trägt der hohe Anteil an Investitionsgütern zu einem soliden Wachstum bei, da diese einem geringeren internationalen Preiswettbewerb ausgesetzt sind. Der Aufschwung in Deutschland wird vor allem von der Erholung des privaten Konsums getragen, der im weiteren Verlauf wegen der günstigeren Arbeitsmarktentwicklung zunehmend in Gang kommt. Die Binnenkonjunktur wird allerdings noch von hohen Preissteigerungen im Energie- und Lebensmittelbereich belastet. Diese bilden sich nur allmählich zurück, da die Preisschocks des letzten Jahres noch nicht vollständig verarbeitet sind. Die Inflationsrate wird in diesem Jahr bei 2,6 Prozent liegen, im nächsten Jahr werden es dann 1,8 Prozent sein. Insgesamt steht die Realwirtschaft in Deutschland - ungeachtet der derzeitigen Bereinigungseffekte im Finanzsektor - auf einem soliden Fundament. Dies zeigt sich insbesondere in der weiterhin günstigen Arbeitsmarktentwicklung, der Investitionsbereitschaft sowie der guten Auftragslage in weiten Teilen der Industrie. 'Dies spricht alles in allem für eine Prognose der ruhigen Hand, die die fundamentalen Triebkräfte der Konjunktur stärker gewichtet als Spekulationen über mögliche Ansteckungseffekte aus der Vertrauenskrise auf den Interbankenmärkten', so Kooths. Inflation trifft alle Einkommensgruppen gleich Für Haushalte unterschiedlicher Einkommensklassen sind die Ausgaben für Lebensmittel, Wohnen und andere Güter verschieden. Daher hat das DIW Berlin ein ökonometrisches Modell entwickelt, das detaillierte Inflationsprognosen für einzelne Einkommensklassen erlaubt. Danach sind die zu erwartenden Inflationsunterschiede für Haushalte mit niedrigem und hohem Einkommen relativ gering und in keiner Weise systematisch. 'Da die Aussichten für Deutschland im Großen und Ganzen weiterhin günstig sind, sollte die Bundesregierung auf Konjunkturprogramme verzichten und stattdessen weiterhin auf die Konsolidierung der Staatsfinanzen setzen', resümierte Christian Dreger und sprach sich gegen eine Finanzpolitik nach Kassenlage aus.

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