Europäischer Emissionshandel: Mehr Effizienz durch Rechteversteigerung

Von: Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung Berlin (DIW)  16.11.2006

Eine fundamentale Verbesserung des Emissionshandels könnte erreicht werden, wenn künftig die Emissionsrechte zunehmend versteigert würden. Zu diesem Ergebnis kommt das DIW Berlin in seinem aktuellen Wochenbericht 46/2006. Dies würde mehr Effizienz und Verteilungsgerechtigkeit bewirken. Außerdem sollte der Emissionshandel auf weitere Treibhausgase und Sektoren angewendet werden. Aber auch wenn die Effizienz des Emissionshandels weiter gesteigert wird, kann er nicht andere Maßnahme vollständig ersetzen und das alleinige Instrument des Klimaschutzes sein. Um so wichtiger ist es, künftig das Zusammenwirken des Emissionshandels mit der gesamten Energie- und Umweltpolitik stärker zu beachten. Der Handel mit Emissionsrechten wird als zentrales Element der europäischen und nationalen Klimaschutzpolitik künftig an Bedeutung gewinnen. Mit ihm sollen die Ziele zur Verminderung der Treibhausgasemissionen mit möglichst geringen Kosten erreicht werden. Inzwischen liegen erste Erfahrungen mit dem 2005 begonnenen Handelssystem vor. Der CO2-Markt ist bislang durch eine hohe Preisvolatilität geprägt. Ein Problem ist, dass für die laufende Periode (2005-2007) in den meisten Mitgliedstaaten der EU insgesamt zu viele Emissionsrechte zugeteilt wurden. In Deutschland beträgt der Überschuss über die tatsächlichen Emissionen 21,3 Mill. t CO2 oder 4,3 % der Zuteilungsmenge. Die Gründe dafür liegen im politischen Prozess der sektoralen Zielfestlegung (Lobby-Einfluss) und einer unzureichenden Datengrundlage. Außerdem schlugen die komplexen nationalen Regelungen für die kostenlose Zuteilung zu Buche. Im Ergebnis lag die Zuteilung für viele Betreiber um bis zu 7,4% unter den Emissionen in der Basisperiode, während andere von diversen Sonderregelungen profitieren konnten. Hinzu kommt, dass die Kraftwerksbetreiber die sogenannten Opportunitätskosten der gratis erhaltenen Zertifikate weitgehend auf die Strompreise überwälzen und somit zusätzliche Profite ('windfall-profits') erzielen. Der Zweite Nationale Allokationsplan enthält bereits eine Reihe von Verbesserungen bei Differenzierung der Sektoren und verzichtet auf Sonderregelungen und Ex-post-Anpassungen der Zuteilungsmenge. Langfristig erfordert ein erfolgreiches Emissionshandelssystems politische Transparenz, eine verbesserte Datengrundlage und eine stärkere Harmonisierung der Regeln in Europa.


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