Reisebericht aus Thailand

Reisebericht aus Thailand von Farang Magazin

Von: Farang Magazin  27.05.2008
Keywords: Thailand

Von Pattaya hoch in den Norden Thailands

Die Anreise

Ein Jahr ist schnell vorbei. Die erholsamen Tage rücken näher, jedenfalls die Tage, in denen Ruhe und Entspannung angesagt sind, und davon bleiben nicht allzu viele übrig. Die THAI Inter fliegt uns zuverlässig nach Bangkok. Hier werden die Reisenden von einer heißen Dunstglocke gegrüßt. Um den Einreisestempel zu erhalten, muss bei dem ständig größer werdenden Menschenpulk, jede Menge Geduld aufgebracht werden. Thailändische Gemütsruhe eben. Alles geht cha-cha. Außerhalb des Flughafens wird mit dem Taxifahrer verhandelt. 1.200 Baht inklusive Highwaygebühren sind O.K. Wer sich im Flughafen belatschern lässt, und für die selbe Strecke 2.000 bis 2.500 Baht bezahlt, ist selber schuld. Am Ziel angekommen, warten schon Sabine und Manfred auf mich. Madame war so freundlich und hat mir ein Bungalow besorgt, in der Naklua Soi 18/2. Das Sea Lodge wird vorwiegend von deutschen Touristen gebucht. Zentrisch der Swimming-Pool, rund herum die Doppelhäuser, umgeben von vielen Pflanzen und Bäumen. Die Bungalows sind relativ klein. Sie haben ein Zimmer mit Doppelbett und Air-Con, sowie einen Mini Umkleideraum, in dem ein Schrank für die Wäsche steht. Dahinter befindet sich die “Örtlichkeit” mit Warmwasserdusche. Mit der Unterbringung seiner Badutensilien hat man so seine Probleme, kein Spiegelschrank oder ähnliches, nur eine schmale Ablage, aber für die paar Tage geht es. 950 Baht sind nicht der Hammer, jedoch im Rahmen, wenn man bedenkt, wie die Preise im allgemeinen gestiegen sind. Überhaupt ist ein längerer Aufenthalt in Pattaya nicht geplant. Ein Kurzbesuch gilt Martin R., dem Chef der Zeitschrift “Der Farang” – Kontakt halten, Meinungen austauschen und small talk. Außerdem haben ja Sabine und Manfred eingeladen. Sie rüsteten sich schon ein paar Tage vorher für das bevorstehende Ereignis.

Palaphol in Concert

Genau an Sabines Geburtstag am 4. April kam Palaphol nach Pattaya und gab ein zweistündiges Konzert. Der Laden war rappelvoll. Natürlich kam er nicht wegen Sabine, aber was für ein glücklicher Zufall, wo doch der Starsänger einer der Lieblinge der schlanken Rothaarigen ist. Der 36-jährige Star hat in Bangkok seine Zelte aufgeschlagen. Folk-Rock-Musik ist sein Thema. Sieben CDs hat er produziert. Obwohl er schon lange im Geschäft ist, oder vielleicht gerade deshalb, steht Palaphol (die Thais sagen Palaphon, die Schreibweise Palaphol ist aber richtig) immer noch hoch im Kurs, in der Beliebtheitsskala ganz oben. Bei Sabine auch, die glitzernden Augen sprachen Bände, platonisch natürlich.

Khun Pueng im Schlaraffenland

In der Nacht vom 5. zum 6. April war dann der Teufel los. “Happy Birthday, Manne” war die Überschrift. Sonja und Peter sind die Betreiber des kleinen Restaurants Bierbar direkt an der Beachroad, Höhe Soi 4. Beide sind sehr bemüht um ihre Gäste, deren Stamm immer größer wird. Sie organisierten die Party. Am Eingang tafelten die Anwesenden vom reichhaltigen und schmackhaften Buffet. Gemischtes Deutsch-Thai-Food, hergestellt in der eigenen Küche. Zur Geisterstunde waren zwei Boys da, die überaus leicht bekleidet mit brennenden Kerzen an der Stange tanzten, wobei das Wachs unaufhörlich auf den öligen Oberkörper tropfte. Ein anderer zeigte seine Beweglichkeit an dem inzwischen heiß gewordenen Rundeisen zu lauter Hipp-Hopp-Musik. Tipp steckten die Mädels in das schmale Leinentuch unterhalb der Gürtellinie. Sabine im Schlaraffenland. Euer Schreiberling wandte sich lieber den alkoholischen Genüssen zu. Unter dem Motto: am Abend ein Bier und die Nacht gehört dir wurde der Abend immer länger. Auf dem Nachhauseweg, keine Ahnung wie spät, oder besser wie früh es war, kam dann die bange Frage: Lall ick schon? Happy Birthday, Euch beiden!

Danke, Noree

Bevor es in den Norden Thailands geht, an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an Noree für die Mühe, Geduld, Ausdauer und den erheblichen Zeitaufwand, sowie für die Hilfeleistung bei der Erstellung der Reportage rund um Ngao. Sie organisierte die Ausflüge von Phayao bis Sukothai, hat diplomatisch die Preise verhandelt, in aller Seelenruhe Fragen und Antworten übersetzt. Der Geduldsfaden schien unendlich. Dazu kommt die Unterbringung bei der Familie, bei der ich mich gleich beim ersten Tag wie zu Hause fühlte. Ein Dank auch an Porn, genannt Yen, die unermüdlich meine durchgeschwitzten Hemden auf Vordermann gebracht hat. Von der heimischen Küche mal ganz zu schweigen, einfach lecker. Der Vorsatz, ein wenig abzunehmen, ging damit den Bach runter, egal !

Ankunft in Ngao

Nach der Ausnüchterungsphase in Pattaya geht es nach Korat. Der Air-Condition- Bus braucht normalerweise sechs Stunden. Wir stehen kurz vor dem Songkran fest. Der Bus ist mehr wie voll. Etwa 20 Leute stehen im Gang, die ganze Fahrt über, die auf Grund des erhöhten Verkehrsaufkommens eine Stunde länger dauert. Welche Ausdauer! Die Erlebnisse in Korat können getrost übergangen werden, weil über die Wasserschlacht schon berichtet wurde. Im Prinzip wiederholt sich alles. Also zurück nach Bangkok, rein in den Flieger der PB Air nach Lampang (etwa 116 Km südöstlich von Chiang Mai). Das Flugzeug ist klein, der Preis mit 3.115 Baht für thailändische Verhältnisse recht teuer. Fast doppelt so viel, als wenn man mit der Air Asia nach Chiang Mai düst (1.700 Baht). Die drei nebeneinander liegenden Sitze werden durch den Mittelgang getrennt. Also ein Fensterplatz, der Mittelgang, dann wieder zwei Sitze. Trotzdem sehr bequem. Der Service ist gut für den kurzen Flug, der eine Stunde dauert. Am Miniflughafen sehen die Passagiere durch die runde Scheibe vier Thaifrauen in nordthailändischer Tracht. Sie begrüßen die Ankommenden mit einem Tanz. Tolle Idee. Beim Aussteigen fällt mein Blick in Richtung Umzäunung. Noree winkt heftig und... der Polizeichef (!), der sich für den Rest des Tages frei nahm und uns nach Hause bringt. Welche Ehre. Das Sawasdee krap fällt besonders höflich aus. Wir steigen in den älteren Benz.

Die 86 Km nach Ngao fliegen förmlich vorbei. Eine Geschwindigkeitsbegrenzung gibt es für den höchsten Beamten des Distrikts nicht. Der Empfang bei Norees Familie ist überaus herzlich. Zwei weitere Polizisten gesellen sich zu uns. Anscheinend bin ich der einzige Farang in der näheren Umgebung. Beim geselligen Zusammensein warten viele Frage auf Antworten. Das eisgekühlte Singhabier macht die Runde. Auf dem Tisch warten geröstete Maden auf den Verzehr. Die Tierchen findet man im Bambus. Mühsam werden sie gesammelt und geröstet. Nach zaghaftem Versuch, doch, kann man essen. Schmecken leicht nussig. Daneben steht die Schüssel mit Salat, mit Schlangensalat. Mit Sicherheit nicht jedermanns Sache, sieht jedoch gut aus, riecht gut, und Ihr könnt es ruhig glauben, schmeckt auch gut. Für den Europäer vielleicht ein wenig scharf, aber ein Blatt vom Kohlkraut dazu – perfekt. Das Hühnchen ist ebenfalls auf besondere Art zubereitet. Der Koch nehme ein Suppenhuhn und koche selbiges in einem halben Liter Coca-Cola. Dazu kommen zwei Kellen Fischsoße und eine Tüte Instant Pulver (Rotdee). Etwa eine Stunde köcheln und fertig. Wer sich so etwas ausdenkt, keine Ahnung, aber hmmm. Wenn nur die lange Anreise vom Korat hierher nicht wäre. Hitze, Hitze, Hitze. Die Schweißschicht auf Stirn und Oberkörper wird immer dicker, die Augen immer kleiner. Die Gedanken sehnen sich nach dem Land der Träume...

Das Dörfchen

Ngao gehört zur Provinz Lampang. Der kleine Ort wurde vor 150 Jahren gegründet. So in etwa jedenfalls. Ganz genau weiß das keiner. Die einen nennen das Datum 1829, die anderen sagen, dass die Gründung unter der Regierungszeit des Königs Chulalongkorn stattfand, was aber erhebliche Zeitdifferenzen aufweist; denn der König lebte von 1853 bis 1910. Seine Regierungszeit war von 1868 bis 1910. Wie dem auch sei, das kleine Dorf existiert. Die Leute leben von der Landwirtschaft, vorwiegend vom Reisanbau und von der Tierhaltung. Auf jedem Grundstück wird Gemüse angebaut. Reich sind die Bewohner nicht, aber von Armut kann auch nicht die Rede sein. Bettler sieht man hier nicht auf den Strassen. Der 32 Jahre junge Bürgermeister Nares Ubonsri betreut 58.092 Seelen im Bezirk, wovon 4.946 in Ngao ihr Zuhause haben und etwa 150 Menschen im Tung Bo wohnen, welches 1,5 Km außerhalb des Dorfes liegt. Vor 11 Jahren war Norees Schwester die einzige in dieser Gegend. Die Einsiedelei dauerte jedoch nicht lange. Nach und nach sind weitere Familien zugezogen. Verschlossene Türen ist hier ein Fremdwort. Den Schlüssel vom Moped kann man ruhig einmal im Schloss vergessen, null Problemo. Kontakte sind schnell geknüpft, ruhig und freundlich. Hallo oder Sawasdee krap, nakhao (Zeitungsmann).

Die Edelsteinschleiferei von Rob

Gute 300 Meter von meiner Unterkunft hat Jatupon Jodnaree (Rob) ihr sweet home aus Holz. Landestypisch auf Stelzen. Die Werkstatt befindet sich zur Zeit noch nebenan, aber der Bau der eigenen Werkstatt ist in vollem Gange. Je nach Auftragslage beschäftigt sie 20 bis 25 Leute. Spitzenschleifer vorwiegend aus der Region Surin. Wöchentlich werden 4.500 bis 5.000 Saphire aus Bangkok angeliefert. Auch Rubine, Smaragde, gelbe, grüne und braune Rohlinge (keine Ahnung wie die heißen) erhalten hier ihren fachgerechten Facettenschliff.

Die Arbeit erfordert bei den Größen zwischen 1 und 1,5 mm Durchmesser ein außergewöhnliches Feingefühl in den Händen. Jeder Stein muss exakt geschliffen werden. Dazu sind mehrere Arbeitsschritte notwendig. Zuerst werden die kleinen Kostbarkeiten durch flache Minisiebe verschiedener Größen geschüttelt, damit große und kleine Steinchen getrennt werden. Im zweiten Arbeitsgang kleben zwei Arbeiter die Saphire auf eine etwa 10 cm lange Spindel. An deren Spitze ist eine Masse, die bei Erwärmung weich wird und so das begehrte Objekt daran klebt. Nummer drei ist der Schliff der Oberseite. Ein erneutes Umspannen ist für den vierten Durchgang erforderlich. Jetzt bekommt die Unterseite (für die Einfassung) ihre endgültige Form. Immer und immer wird während des Schleifvorganges mit der Lupe geprüft. Die einzelnen Arbeitsgeräte zu beschreiben ginge an dieser Stelle zu weit, und eine Schleifscheibe kann sich jeder vorstellen. Gesagt sei, dass alles reine Handarbeit ist. Keine elektronische Unterstützung. Ausschuss gibt es so gut wie keinen. Und wenn einmal, wird nachgeschliffen, auf Kosten der Größe natürlich. Die kritische Endprüfung nimmt Chefin Rob selbst vor. Einfach glänzend.

- Wird fortgesetzt -

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