Institut für Rechenschwäche-Therapie Berlin

Von: Institut für Rechenschwäche-Therapie Berlin  11.05.2006
Keywords: Weiterbildung, Fortbildung, Lehrerfortbildung

Was ist Rechenschwäche? Rechenschwache Kinder – wie auch betroffene Jugendliche und Erwachsene – haben besondere Schwierigkeiten beim Erlernen des Rechnens, die auf mangelnde oder fehlerhafte Vorstellungen im Bereich der basalen mathematischen Kenntnisse zurückzuführen sind: Den Betroffenen fehlt weitgehend das Verständnis für Zahlen und Zahlbeziehungen, in vielen Fällen weisen sie Schwierigkeiten bereits im Mengen- und Relationsverständnis sowie bei allgemeinen Abstraktionsleistungen auf. Da die Inhalte des Mathematikunterrichts sachlogisch aufeinander aufbauen, ist die sichere Kenntnis der Grundlagen Voraussetzung für das Verständnis sämtlicher mathematischer Zusammen­hänge. Ohne Mengenvorstellung und Zahlbegriff kann die Bedeutung der elementaren Rechenoperationen und des Aufbaus zwei- und mehrstelliger Zahlen nicht verstanden werden. Dauerhaftes Versagen im Mathematikunterricht hat in vielen Fällen seelische und soziale Belastungen zur Folge, die zu Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit führen können. Zählendes Rechnen« Die Mehrheit der rechenschwachen Kinder sind zählende Rechner: Sie verstehen Zahlen nicht als Bestimmung der Anzahl (Wie viele?«) sondern als eine feststehende Abfolge von Wörtern. Dementsprechend bewältigen sie Rechenaufgaben zählend. Diese Methode der Lösungsfindung ist nicht nur zeit- und konzentrationsaufwändig, sondern auch fehleranfällig. Kann ein solches Kind bereits in der ersten oder zweiten Klasse den Anforderungen der Schule nicht mehr gerecht werden, schleicht sich bei Eltern und Lehrern häufig der Verdacht ein, dies müsse in irgendeiner Weise am Kind liegen. Sind rechenschwache Kinder dumm, faul oder unkonzentriert? Rechenschwache Kinder sind nicht dumm. Dass rechenschwache Kinder nicht rechnen können, bedeutet nicht, dass sie es nicht lernen könnten. Es bedeutet eben nur, dass sie es bisher nicht gelernt haben – z.B. weil ihr Mengenverständnis zu Beginn der ersten Klasse noch nicht weit genug entwickelt war, um den Schulstoff zu verstehen. Um dennoch den Anforderungen des Mathematikunterrichts zumindest teilweise entsprechen zu können, erfinden rechenschwache Kinder oft eigene Lösungsstrategien, sogenannte subjektive Algorithmen«. So ist es ihnen trotz fehlenden Verständnisses möglich, Ergebnisse zu produzieren, die teilweise richtig sein können. Umso enttäuschender für sie, dass sie mindestens ebenso oft und mit der Zeit immer häufiger danebenliegen. Sie sind auch nicht faul. Manche Kinder lernen zahlreiche unbegriffene Rechen­ergebnisse auswendig, damit sie sich in diesem wichtigen Fach nicht blamieren. Sie sind häufig darin geradezu extrem fleißig – und müssen doch erleben, dass das immer weniger nützt, und ihnen der Stoff mehr und mehr »davon läuft«. Fast jedes Kind gibt dann über kurz oder lang resigniert auf, sitzt häufig niedergeschlagen herum und lässt den Kopf hängen; es drückt sich vor den Hausaufgaben oder sitzt schließlich nur noch davor, »ohne sich zu konzentrieren«. – Nur kann man sich schlecht auf etwas konzentrieren, das man nicht verstanden hat. Was wie Dummheit, Faulheit oder Unkonzentriertheit aussieht, kann also Folge einer nicht erkannten Rechenschwäche sein. Vom Nutzen und Schaden des Übens Meist wird versucht, Lernschwierigkeiten dadurch zu begegnen, dass zu Hause mehr geübt wird. Bei rechenschwachen Kindern führt dies leider nicht zum gewünschten Erfolg. Ein Kind, das in der Schule schlechte Leistungen zeigt, weil es seine eigenen, unzuverlässigen Rechenstrategien anwendet, eignet sich das fehlende Wissen durch Üben nicht an: Solange das zugrunde liegende Mengen- und Zahlenverständnis unzureichend entwickelt ist, hantiert es dabei mit Größen, die es nicht begreift. Ein zählender Rechner meint durchaus zu wissen, wie etwa eine Addition zu lösen ist: Er zählt an seinen Fingern oder anderen Hilfsmitteln ab. Die zu Hause gestellten zusätzlichen Aufgaben löst er ebenfalls mit dieser Technik (und wenn ihm das Zählen verboten wurde, eben heimlich, etwa an vorgestellten Fingern). Was durch solches Üben trainiert wird, ist also nicht das Verständnis der Addition, sondern die Perfektionierung der fehlerhaften Lösungsstrategie. Geübt wird somit genau das, was das Erkennen des quantitativen Zusammenhangs (in diesem Fall der Addition als Vermehrung einer Anzahl) erschwert bis verunmöglicht: Durch das Üben wird die falsche Vorstellung von der Addition verfestigt, die den gedanklichen Zugang zu einem fundierten Operationsverständnis verhindert. Soziale und psychische Folgen In vielen Fällen führt eine Dyskalkulie zu sozialen und psychischen Problemen. Mathematik ist in der Schule Hauptfach; schlechte mathematische Leistungen gefährden daher die Schullaufbahn und schränken die Möglichkeiten der Berufswahl schon früh ein. Mathematische Zusammenhänge sind darüber hinaus Bestandteil des privaten und beruflichen Alltags. Die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ist für Jugendliche und Erwachsene, die nicht gelernt haben, mit Zahlen – und daher u.a. mit Uhrzeiten, Maßen und Geld – umzugehen, stark beeinträchtigt. Das Versagen in Mathematik kann darüber hinaus zu Beeinträchtigungen in der Entwicklung der Persönlichkeit und des Selbstwertgefühls führen. Dass rechenschwache Kinder trotz größter Bemühungen im Fach Mathematik auf Dauer scheitern, lässt sie häufig an der eigenen Fähigkeit zweifeln, Mathematik zu verstehen. Diese negative Selbsteinschätzung (»Ich bin zu dumm dafür«) wird dann häufig auch auf andere schulische und außerschulische Bereiche übertragen. Erweitert sich diese Einschätzung der eigenen Fähigkeiten zum allgemeinen Selbstkonzept, so sinkt die Lernmotivation auch auf anderen Gebieten. Allgemeines Schulversagen kann die Folge sein. Hat sich der »Teufelskreis Lernstörungen« in dieser Weise geschlossen, kann das Kind ihn aus eigener Kraft kaum mehr durchbrechen. Diagnose und Beratung Ziel von Diagnose und Beratung ist es, den Eltern betroffener Kinder die Möglichkeit zu geben, das Vorliegen einer Rechenschwäche möglichst frühzeitig zu erkennen und ge­eignete Wege zur Bewältigung der je individuellen Problemlage zu ermitteln. Die Grund­lage der Diagnostik sind förderdiagnostische Interviews. Damit werden nicht nur die Leistungsergebnisse festgehalten, sondern es wird im Gespräch vor allen Dingen ermit­telt, welche Denkmethoden ein Kind bei der Lösung mathematischer Aufgabenstellungen zur Anwendung bringt. Dies bildet die Basis für eine qualitative Fehleranalyse, die die Fehlerquellen eingrenzt und so das Erstellen des jeweils persönlichen Fehlerprofils ermöglicht. Daneben wird abgeklärt, ob und in welcher Weise die Rechenschwäche sich auf das Lebensumfeld und die psychische Situation des Betroffenen auswirkt. Der Diagnose folgt ein ausführliches Beratungsgespräch mit den Eltern. Die diagnostischen Leistun­gen sind eben­so unverbindlich wie die anschließende Beratung. Einzelheiten der diagnostischen Untersuchung Im Regelfall umfasst die Diagnostik folgende Bereiche mathematischen Denkens (jeweils bis maximal zum schulischen Stand des Kindes / Jugendlichen): VarianztestRaum-/Lagebestimmung ZahlenreiheZahlbegriffFingerrechnenrechenoperative FähigkeitenOrientierungsfähigkeit im ZahlenraumStellenwertsystemTextaufgabenMaße / Größenverhältnisse Unser Diagnostikum beinhaltet eine Invarianzprüfung sensu Piaget/Kutzer und das institutseigene Qualitative Erfassungssystem Dyskalkulie (Quest_D) sowie weitere Tests zur Erfassung visuell-räumlicher Zusammenhänge. Das Diagnosegespräch wird nach der Methodik des »lauten Denkens« (vgl. Lorenz / Raddatz) durchgeführt und beinhaltet Lehr- bzw. Lern-Versuche, Verhaltensbeobachtung sowie die Einschätzung einer (ggfs. bereits eingetretenen bzw. drohenden) sekundären Neurotisierung. Ein anamnestischer Fragebogen zur Kindheits- und Schulentwicklung sowie ein ausführliches Gespräch mit den Eltern über die allgemeine Lebenssituation des Kindes/Jugendlichen vervollständigen die bis dahin gewonnenen Erkenntnisse. Das Diagnosegespräch mit dem Schüler nimmt bis zu zwei Stunden in Anspruch. Die Testergebnisse werden den Erziehungsberechtigten ca. eine Woche nach dem einmaligen Testtermin (gerne in Begleitung der Lehrerin bzw. des Lehrers) eingehend erläutert. Gegebenenfalls werden dem individuellen Fall angemessene Interventionsmöglichkeiten empfohlen: in leichteren Fällen Lern- und Arbeitsvorschläge fürs häusliche Üben, in schwereren Fällen ein mit den Eltern abgestimmter Therapieplan. Dazu erhalten die Eltern einen schriftlichen Befund, in dem ein qualitatives Fehlerprofil enthalten ist, das die im Test zutage getretenen Miss- und Unverständnisse nach mathematischen Sachgebieten detailliert auflistet. Lerntherapie Zur Therapie rechenschwacher Kinder haben das Institut für Rechenschwäche-Therapie und andere Facheinrichtungen zur Dyskalkulie rechentherapeutische Konzepte erarbeitet, denen gemeinsam ist, dass der Grundlagenbereich der Mathematik in kleine und kleinste Schritte zerlegt wird. So entsteht ein analytisches Gesamtschema grundlegender Rechenschritte, das speziell für Kinder entwickelt ist, die mit Mathematik, wie sie im allgemeinen unterrichtet wird, nichts anfangen können. Für sie ist dieses etappenweise Erarbeiten kleinster, systematisch aufeinander aufbauender Lernschritte die einzige Möglichkeit, den Grundlagenbereich der Mengen, Zahlen und Rechenoperationen aufzuarbeiten und schließlich das Therapieziel, den Anschluss an den Schulstoff, zu erreichen. Aufgrund der Notwendigkeit des kleinschrittigen, fehleranalytischen Vorgehens und der individuell unterschiedlichen Therapievoraussetzungen und Lernschwierigkeiten muss das therapeutische Vorgehen genau auf das einzelne Kind abgestimmt sein. Die Dyskalkulie-Therapie findet daher grundsätzlich als Einzel- oder Doppeltherapie statt. In der Mathematik bauen Lerninhalte sachlogisch streng aufeinander auf. Auf Basis der in der förderdiagnostischen Eingangsdiagnostik ermittelten Lernausgangslage wird ein detaillierter Therapieplan erstellt. Bei der Mehrzahl der rechenschwachen Kinder erweist es sich hierbei als notwendig, bereits beim Mengen- bzw. Zahlbegriff anzusetzen. Das Verständnis der darauf aufbauenden Inhalte (u.a. Zahlzerlegungen, Rechenoperationen, Stellenwertsystem) setzt ein gesichertes Wissen in diesem grundlegenden Bereich voraus. Im Verlauf der lerntherapeutischen Erarbeitung der mathematischen Grundlagen ist durchgängig zu berücksichtigen, dass rechenschwache Kinder sich häufig – in Ermangelung des Zahlbegriffs – individuelle Kompensationsstrategien (sog. »subjektive Algorithmen«) angeeignet haben. Diese müssen gemeinsam mit dem Kind überprüft und behutsam einer Kritik unterzogen werden, die vom Kind nachvollzogen und verstanden werden kann. Es reicht also keineswegs aus, dem Kind zu vermitteln, wie es »richtig« rechnen soll; das Eingehen auf die individuellen – fehlerhaften bzw. umständlichen – Strategien ist notwendiger Bestandteil einer erfolgreichen Rechenschwäche-Therapie. Die zentrale Interventionsform ist daher der therapeutische Lerndialog mit dem Schüler. Diesen zu führen, ist die Aufgabe eines mathematisch und pädagogisch-psychologisch ausgebildeten Lerntherapeuten, der die Grundlagen der Mathematik individuell differenziert darlegen kann. Um die jeweils geeigneten Übungsformen zu finden, müssen Inhalte und Tempo individuell für jedes Kind gestaltet werden. Ständige thera­pie­begleitende Förderdiagnostik gewährleistet, dass das therapeutische Vorgehen stets den jeweiligen Schwierigkeiten und Lernfortschritten des Kindes angepasst bleibt. Jeder Therapeut muss daher in sämtlichen Aspekten lerntherapeutischer Arbeit ausgebildet sein. Diagnostische und therapeutische Kompetenz sind nicht zu trennen. Nach unseren Erfahrungen beträgt die Therapie-Dauer in der Regel zwischen 1,5 und 2,5 Jahre. Bei mehr als 80% der betreuten Kinder und Jugendlichen wird innerhalb dieser Zeit eine deutliche Entlastung der psychischen Situation, eine Stabilisierung des Lernverhaltens sowie eine Umsetzung schulischer Lerninhalte im Sinne eines verstehenden Lernens erreicht. Für den therapeutisch jeweils angemessenen Umgang mit dem Kind sind die schulischen und außerschulischen Zusammenhänge, in denen das Lernen des Kindes stattfindet, von großer Bedeutung. Bei der Therapie legen wir daher besonderen Wert auf eine kontinuierliche Zusammenarbeit mit den Eltern und der Mathematiklehrerin bzw. dem Mathematik­lehrer. Mit den Eltern werden in regelmäßigen Beratungen die jeweiligen Lernfortschritte sowie die familiären Möglichkeiten psychischer Entlastung des Kindes und der Unterstützung beim häuslichen Übungsprogramm besprochen. Zudem ist es für den Erfolg einer Therapie un­ab­ding­bar, Eltern gegebenenfalls dabei zu unterstützen, sich von einer zu leistungs- und no­ten­ori­en­tierten Erwartungs­hal­tung zu lösen. Mit der Lehrerin/dem Lehrer wird abgestimmt, in welcher Form das Kind im Unterricht und gegebenenfalls im schulischen Förderunterricht zusätzlich unterstützt und entlastet werden kann. Fortbildungsinformationen Das Institut für Rechenschwäche-Therapie bietet Fort- und Weiterbildungsveranstaltungen zum Thema Rechenschwäche/Dyskalkulie an. Die Angebote richten sich jeweils an: Lehrkräfte an Grundschulen (auch für Schulen mit sonderpädagogischem Förderschwerpunkt geeignet)Lehrkräfte der Sekundarstufe IÄrztinnen und Ärzte, PsychologInnen und MitarbeiterInnen von BeratungsstellenLogopädInnen und ErgotherapeutInnen, sowie weitere Berufsgruppen, die in ihrer Praxis mit der Problematik konfrontiert sind. Als Einführung in die Thematik bieten wir Kurzvorträge an. In unserer Arbeit mit rechenschwachen Kindern und Jugendlichen machen wir die Erfahrung, dass eine Rechenschwäche häufig jahrelang unerkannt bleibt. Ziel jeder unserer Fortbildungen ist daher, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu befähigen, grundlegende Schwierigkeiten beim Erlernen der Mathematik möglichst frühzeitig zu erkennen. Ein weiterer Schwerpunkt der Veranstaltungen liegt darin, geeignete Wege gezielter Förderung rechenschwacher Kinder und Jugendlicher aufzuzeigen. Organisatorisches Die Lehrerfortbildungen sind auf acht Schulstunden angelegt. Sie können an zwei Nachmittagen à vier Schulstunden (bzw. drei Zeitstunden) stattfinden oder zu einer ganztägigen Veranstaltung zusammengefasst werden. Die Fortbildungen finden an Ihrer Schule statt. Benötigt wird ein Raum mit Tafel und OHP. Die Teilnehmerzahl sollte bei max. 30 Personen liegen. Die Fortbildungen für außerschulische Berufsgruppen können in der jeweiligen Praxis, Beratungsstelle etc. oder in den Räumen des IRT Berlin stattfinden. Zeitlicher Rahmen und Ablauf werden individuell abgesprochen. Für Kurzvorträge ist ein Zeitrahmen von etwa zwei Stunden vorgesehen, wobei etwa die Hälfte der Zeit der Diskussion vorbehalten ist. Die Teilnehmerzahl ist unbegrenzt. Die Terminabsprache ist während unserer telefonischen Sprechzeiten montags bis donnerstags 12.00 – 14.00 Uhr möglich. Sie können uns auch eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter hinterlassen oder per E-Mail Kontakt mit uns aufnehmen: Telefon: 030 – 86 39 69 04 E-Mail: fortbildung@irtBerlin.de Die anfallenden Kosten berechnen wir nach den üblichen Honorarkriterien des Berliner Landesinstituts für Schule und Medien (LISUM). Alle TeilnehmerInnen erhalten eine Teilnahmebestätigung.

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