Erbschaft in Spanien - was nun?

Von: WF Frank & Partner Rechtsanwälte Berlin  06.01.2008
Keywords: Spanisches Immobilienrecht, Spanisches Erbrecht

Nach welchem Erbrecht bestimmt sich, wer wird Erbe wird?
Deutsche Gericht wenden bei deutschen Staatsangehörigen immer deutsches materielles Erbrecht an. Insoweit stimmt das deutsche Recht mit dem spanischen Recht überein. Dies gilt sowohl für Nachlassgegenstände, die sich in Deutschland befinden, als auch für solche, die sich in Spanien befinden.

Wird ein deutsches Testament in Spanien anerkannt?
In Spanien gibt es eigenhändige Testament und notarielle Testamente. In Deutschland wirksam errichtete Testamente werden auch in Spanien anerkannt. Allerdings sollten Sie prüfen, ob ihr Testament im Hinblick auf ihr spanisches Vermögen nicht überarbeitet werden sollte. Gerade das „Berliner Testament“ führt zu einer – vermeidbaren – hohen Besteuerung in Spanien.

Wie erfahre ich, ob es in Spanien ein Testament gibt?
In Deutschland ist jeder, der ein eigenhändiges Testament auffindet, verpflichtet, dieses unverzüglich dem Nachlassgericht zu übergeben. Notare oder die Hinterlegungsstelle beim Amtsgericht informieren die zuständigen Standesämter über die Aufbewahrung eines Testaments, so dass gewährleistet ist, dass das Testament zum Nachlassgericht kommt. Wird in Spanien vor einem spanischen Notar einTestament errichtet,meldet der Notardies demzentralen Testamentsregister in Madrid. Ob ein Testament existiert, kann daher oftmals durch Nachfrage beim zuständigen deutschen Nachlassgericht bzw. beim zentralen Testamentsregister in Madrid geklärt werden.

Muss ich in Spanien die Erbschaftsannahme erklären?
Nach dem anzuwendenden deutschen Erbrecht geht der Nachlass auf die Erben über, ohne dass es einer Annahme bedarf. Befinden sich im Nachlass Immobilien in Spanien muss gleichwohl die Annahme der Erbschaft erklärt werden, da das spanische Grundbuchamt die Erben nur nach Erbschaftsannahme als neue Eigentümer in das Grundbuch einträgt. In welcher Frist muss ich die Erbschaft annehmen? Grundsätzlich in 6 Monaten. Nach Ablauf der Frist drohen steuerliche Nachteile.

Muss ich spanischeErbschaftssteuer zahlen?
Wenn Sie mehr als 183 Tage in Jahr in Spanien wohnen, unterliegen sie der unbeschränkten Steuerpflicht, d.h. der gesamte Nachlass unterliegt der spanischen Erbschaft- bzw. Schenkungsteuer, also sowohl das in Spanien als auch das in Deutschland belegene Vermögen.

Gilt das auch, wenn ich weniger als 183 Tage im Jahr in Spanien wohne?
In diesem Fall unterliegt nur das spanische Vermögen (Inlandsvermögen) der spanischen Erbschaft- bzw. Schenkungsteuer. Dies sind z.B. in Spanien belegene Grundstücke und Bankguthaben bei einem in Spanien ansässigen kontoführenden Bankinstitut. Wie hoch ist die spanische Erbschaftssteuer? Die spanischen Erbschaftssteuersätze bewegen sich zwischen 7,65 % und 81,6 %. Die Höhe ist abhängig von Verwandtschaftsgrad, Höhe des vererbten Vermögens und der Höhe des Vermögen des Erbenden.

Welche Freibeträge gibt es in Spanien?
Nächste Angehörige (Kinder und Ehegatten) haben einen Freibetrag von jeweils ca. EURO 16.000. Daneben wird für Residente einen Freibetrag für den Erben der vom Erblasser in Spanien selbst genutzten Hauptwohnsitzimmobilie gewährt.

Muss ich in Deutschland und Spanien Erbschaftsteuer zahlen?
Da zwischen Deutschland und Spanien auf dem Gebiet des Erbschaftssteuerrechts und des Schenkungsrechts kein Doppelbesteuerungsabkommen existiert, besteht die Gefahr einer Doppelbesteuerung. Eine Anrechnung der spanischen Erbschaftssteuer auf die deutsche Erbschaftssteuer ist nicht immer und vor allem nicht immer vollumfänglich angerechnet werden. Auf jeden Fall zahlen sie die höhere Steuer! Spanische Erbschaftssteuer auf spanische Kontoguthaben ist nie anrechenbar.

Stimmt es, dass die Erbschaftssteuer auf Mallorca nur 1 % beträgt?
Nach dem Recht der autonomen Balearen sind Erbfälle werden Erbfälle unter bestimmten Voraussetzungen nur sehr gering besteuert. Bei Deutschen greift diese Regelung aber in den meisten Fällen nicht ein.

Wann verjährt die spanische Erbschaftssteuer?
Die spanische Erbschaftssteuer verjährt in 4 Jahren und 6 Monaten. Früher ließen viele deutsche Erben die Erbschaftssteuer daher einfach verjähren. Dies funktioniert heute aber nicht mehr, da die Verjährungsfrist erst zu laufen beginnt, wenn die spanischen Behörden von dem Erbschaftsanfall Kenntnis erlangen.

Wann wird die spanische Erbschaftssteuer fällig?
Die spanische Erbschaftssteuer wird grundsätzlich innerhalb von 6-Monaten. Wird die Frist nicht gewahrt drohen empfindliche Steuerzuschläge von bis zu 20 %. Allerdings ist in besonderen Fällen eine Verlängerung der Frist möglich. Ein Antrag auf Fristverlängerung sollte aber gut begründet werden, da die spanischen Behörden dies sehr restriktiv handhaben.

Wie wird der Wert einer Spanien Immobilie ermittelt?
Anders als das deutsche Steuerrecht wird auf den Verkehrswert („Valor Real“), also den Wert, der bei einem aktuellen Verkauf zu erzielt werden könnte, abgestellt. Dieser Wert kann, wenn die Immobilie nicht veräußert wird, nur durch ein Gutachten bestimmt werden. Da die Finanzbehörden nicht in jedem Fall ein Gutachten einholen, gibt es bei der Erbschaftssteuererklärung daher gewisse Spielräume. Vorsicht: Bei zu niedriger Bewertung droht eine – zumeist nachteilige – Nachschätzung durch die spanischen Finanzbehörden. Vorsicht: Der deutsche Fiskus bewertet Auslandsimmobilien ebenfalls mit dem hohen Verkehrswert!

Keywords: Spanisches Erbrecht, Spanisches Immobilienrecht

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