Alb-Linsen

Alb-Linsen von NATURKOST Korzer

Von: NATURKOST Korzer  03.02.2011
Keywords: Abo- und Vertriebsservice

Alb-Linsen werden wieder auf der Schwäbischen Alb angebaut und damit eine alte Tradition wiederbelebt. Linsen sind eiweißreich und eignen sich daher als gute Eiweißquelle für eine pflanzliche Ernährung. Leguminosen wie die Linsen zeichnet die Fähigkeit aus, Stickstoff aus der Luft zu binden und ihn somit der Pflanze quasi als Dünger zur Verfügung zu stellen. Eine ideale Zwischenfrucht im Fruchtwechsel also und eine nachhaltige Alternative zum grassierenden Maisanbau, der hier auf der Alb nur unter Einsatz massiver Verwendung von Herbiziden wie "Round Up" und hohen Kunstdüngergaben möglich ist - zum Leidwesen der Böden und der Bewohner im Tal, denen dieser Chemiecocktail direkt ins Grundwasser läuft. Mehr dazu in dem aktuellen Film:GOOD FOOD - BAD FOOD.     
„Sonntag aktuell“ am 2.12. 2007
Petersburger Linsen-Fahrt
Was wären die Schwaben ohne Linsen ? Man mag es sich gar nicht ausdenken. Dennoch verlieren sich die Spuren der heimischen Hülsenfrucht in den Zeiten des Wirtschaftswunders. Hier ist die Ge-schichte der wiedergefundenen Alb-Linsen – mit den Zügen eines Gesellschaftsdramas und eines Detektivromans.
Woldemar Mammel streicht, nein: er streichelt über das kleine Pflanzenbüschel. Es sei verdammt schwer, so eine Linse hochzukriegen. Sie brauche Stützen wie Hafer oder Gerste, an denen sie sich hoch hangeln kön-ne. Und zu viel regnen dürfe es auch nicht. Sehr anspruchsvoll, Ertrag stark schwankend, erläutert der er-graute Landwirt, Senior eines Biolandhofs auf der Schwäbischen Alb. Doch der Begeisterung für seine Lieb-lingspflanze kann das alles nichts anhaben. Die Augen leuchten, und die Worte sprudeln nur so in breitem Schwäbisch aus ihm heraus, wenn er von seinen „Alb-Leisa“ erzählt.
Szenenwechsel, einige Monate später: Woldemar Mammel – er hat eigens sein Sonntagshäs, die Kleidung für besondere Anlässe angezogen – steht als Mitglied einer kleinen deutschen Linsen-Delegation in einem Saal des altehrwürdigen Wawilow-Instituts in St. Petersburg. Der 65-Jährige ist ein wenig ergriffen, denn all-zu viel ist der Landwirt nicht in der Welt herumgekommen. Und er ist immer noch ein wenig verdutzt darüber, was ihn hierher geführt hat. Gleich werden die Deutschen in einer kleinen, feierlichen Zeremonie aus den Händen der russischen Institutsspitze zwei Päckle in Empfang nehmen: mit Linsen drin. So geschehen am Freitag im Herzen der zweitgrößten Stadt Russlands, gleich gegenüber der großen Isaaks-Kathedrale.
Die Geschichte, wie es zu dieser kuriosen Übergabe kam, ist ein Drama mit Happy end, klingt sehr nach Märchen, weist aber auch etliche Eigenheiten einer klassischen Detektivgeschichte auf.
Die Hülsenfrucht ist eine uralte Kulturpflanze, nachgewiesen im Mittleren Osten genauso wie in Mitteleuropa. Ausgerechnet auf der kargen Alb scheint sie sich besonders wohl gefühlt zu haben. Denn sie liebt die tro-ckenen Böden aus der Muschelkalk- und Juraformation, in denen Wasser rasch versickert. Im 19. Jahrhun-dert lieferte sie reichlich Energie für die harte Arbeit auf dem Feld, war sie geradezu überlebenswichtig als pflanzlicher Eiweißspender für eine ausgewogene Ernährung. Vor eben diesem historischen Hintergrund wurde das schwäbische Nationalgericht Linsen mit Spätzle geboren, ein klassisches Arme-Leute-Essen. Clever, sparsam und genial in der Kombination, findet Mammel im Gleichklang mit Ernährungswissenschaft-lern – zusammen enthalten sie alle für den menschlichen Körper notwendigen essentiellen Aminosäuren, es bedarf keines zusätzlichen Fleisches mehr
Doch wie alles sind auch die Lebensmittel und Ernährungsgewohnheiten dem Wandel unterworfen, liefern ein exaktes Abbild der kulturellen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung. Die letzten weithin bekannten Linsen-Sorten aus Baden-Württemberg – eingetragen in den amtlichen Listen des Bundessorte-namtes - tragen den Namen des Haigerlocher Pflanzenzüchters Fritz Späth, der in den Zeiten der Weimarer Republik die Alb kultivierte.
Nach dem Zweiten Weltkrieg und zu Beginn der Wirtschaftswunderjahre verlieren sich die Spuren der Alblin-se. Es war der Siegeszug der Dosen, und es waren die ersten zarten Anfänge der Globalisierung. Ausge-rechnet die Leibspeise vieler Schwaben war davon betroffen. Sie blieb auf dem Speiseplan – doch ver-schwand das heimische Produkt, von den Kunden nahezu unbemerkt, zuerst aus dem Handel und dann von den Äckern. Die Linsen wurden nun, wenn auch über deutsche Firmen, importiert: aus dem fernen Amerika, aus der Türkei oder Indien.
Woldemar Mammel und einige wenige Mitstreiter besannen sich Anfang der 80er Jahre der alten Zeiten und waren sich rasch einig: Die Alblinse müsse gesucht, ihr Anbau wieder in Angriff genommen werden. „Beim Linsen essen haben wir davon geträumt, wieder Alb-Linsen auszusäen, für uns, für die Verwandtschaft und für den regionalen Markt. Gute Nahrungsmittel von hier, selber produziert: Ökologisch erzeugte Linsen als Bereicherung unserer Fruchtfolge und unserer Landschaft.“ So erzählt es Mammel heute.
Damals allerdings, vor etwas mehr als 20 Jahren, fragen sie nach bei Saatguthändlern und -firmen, ja, sie stöbern sogar in alten Scheunen, in denen einst Linsenstroh gelagert wurde. Fehlanzeige, alles Forschen und Suchen ist vergeblich. Absagen kommen auch aus Gatersleben, der großen deutschen Genbank. Und
selbst beim Bundessortenregister hat es niemand für nötig befunden, die alten eingetragenen Linsensorten aufzubewahren.
Die heimische Hülsenfrucht ist offenbar ausgestorben, der Fortschritt gnadenlos über sie hinweg gefegt. Um sich nicht vollends dem Frust zu ergeben, beschließen die Bauern aus dem Lautertal und von der Münsinger Alb, eine andere passende Linse für den Anbau zu suchen und entscheiden sich schließlich für italienische und französische Sorten. Seit dem Beginn des neuerlichen Linsenanbaus auf der Alb ist die Nachfrage be-ständig gestiegen. In den Bioläden zwischen Bodensee und Stuttgart haben die „Alb-Leisa“ längst Kult-Charakter.
Die Geschichte könnte hier enden, doch sie geht auch deswegen weiter, weil sich beim Genuss Mammel-scher Linsen weitere Menschen infizieren. Einer von ihnen ist Klaus Lang, ein Mann aus Wolfegg in Ober-schwaben, der wenig spricht und am liebsten alte Kulturpflanzen züchtet und dadurch erhält. Auch er sucht, forscht, fragt nach, schreibt Mails und Briefe. Aus der Türkei erhält er den Hinweis, er solle es mal in Russ-land versuchen. Wieso, um Himmels Willen denn, in Russland?
Unabhängig davon fahndet der Stuttgarter Linsenfan Klaus Amler – von der im Umwelt- und Bio-Bereich tä-tigen Stuttgarter Agentur ÖKONSULT - ebenfalls nach den original Alb-Linsen. Bei der altehrwürdigen Uni-versität Hohenheim? Fehlanzeige, ebenso bei der baden-württembergischen Landessaatzuchtanstalt. Amler nimmt Kontakt auf zum großen „Welt-Linsenprojekt“ der FAO, der UNO-Welternährungsorganisation, behei-matet in Aleppo, Syrien. Wieder nichts.
Während Lang eines unerwarteten Tages nach unendlich langen Monaten zwei gut verpackte Tütchen mit Samen auf dem Postwege erhält, wird Amler wenig später eines Nachts um halb Drei am heimischen Com-puter fündig - in der Internet-Datenbank des Wawilow-Instituts. Es gibt sie noch, die Späthschen Alblinsen! In Sankt Petersburg!
Das Wawilow-Institut: eine ungewöhnliche wissenschaftliche Einrichtung mit einer einzigartigen Geschichte und ebensolcher Sammlung von Saatgut und Samentüten. Ebenso kurios wie der Fundort sind die Umstän-de: Das Wawilow-Institut verzeichnet die Jahre 1963 und 1965 für die Aufnahme der schwäbischen „Migran-ten“, die übrigens auf Umwegen über Ungarn und die damalige Tschechoslowakei nach Leningrad gelang-ten. Das heißt, als sich im westdeutschen Wirtschaftswunder-Wohlstand niemand mehr für die heimische Linse zu interessieren scheint und sich auch kein Bauer mehr die Mühsal des Anbaus antun will, findet das Gewächs ausgerechnet in der Sowjetunion Asyl.
Auch die Geschichte des Instituts ist verwickelt. Der Botaniker und Genetiker Nikolaj Wawilow (1887-1943) sammelte auf ungezählten Forschungsreisen in aller Welt Kulturpflanzen, der Grundstock der Genbank. Er selber fiel der Diktatur Stalins zum Opfer. Eine Reihe von Wissenschaftlern kümmerte sich indes um seinen Nachlass, Wawilows Vermächtnis lebt fort - nichtkommerziell, im Dienste der Wissenschaft, offen für alle.
Derweil laufen die Drähte zwischen Baden-Württemberg und St. Petersburg heiß. Wann können die Schwa-ben kommen? Wie feiern beide Seiten die Übergabe der Linsen? Wer redet? Wer fährt mit? Die Linsen-Liebhaber erfahren inzwischen breite Unterstützung: Slowfood, die in Italien gegründete Organisation, die sich für genussvolles Essen, aber auch für regionale Produkte, umweltschonenden Anbau und Artenvielfalt einsetzt, hat sich die Rettung der Alblinse ebenfalls auf die Fahnen geschrieben. Und auch die baden-württembergische Landesregierung hat erkannt, dass die Linse als beliebtes heimisches Produkt ideales Symbol für eine nachhaltige landwirtschaftliche und Genusskultur sein kann. „Es ist ein kleines Wunder, dass die beiden originalen Alblinsensorten so unerwartet wiedergefunden wurden“ sagt Landwirtschaftsmi-nister Peter Hauk im Gespräch mit „Sonntag aktuell“, „Linsen mit Spätzle gehören einfach zum Land. Es ist schön, dass wir die Sorten nun wieder hier haben“.
Die Bauern von der Alb können ihr Glück immer noch nicht fassen. Ein wenig Rührung empfinden sie. Und viel Dankbarkeit. Dass im Wawilow-Institut allein mehr als 2300 Linsen zu Hause sind, macht Mammel stau-nen. Besorgt ist er allerdings, weil das Institut heute finanziell darben muss und nicht einmal über genügend Kühlschränke zum Konservieren der Samen verfügt. Deshalb will er nach seiner Rückkehr nach Deutsch-land allen von Wawilows Schatz erzählen – und von dem ökologischen wie auch wirtschaftlichen Nutzen, wenn nur die Artenvielfalt erhalten bleibt.   

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