Feinstaub: Debatte um Holzfeuerungen hält an

Von: REECO GmbH  10.11.2006
Keywords: Erneuerbare Energien

14 Mio. Einzelfeuerstätten gibt es derzeit in Deutschland. Holz als Brennstoff ist so sehr beliebt, dass die Holzwerkstoffindustrie mittlerweile über die steigenden Holzpreise und Angebotsverknappung klagt. Immer wieder aber mischen sich in diese Euphorie Meldungen über hohe Feinstaubbelastungen. „Die Nebenwirkungen der Behaglichkeit“ bezeichnet z.B. das Umweltbundesamt (UBA) die Feinstaubemissionen aus Holzheizungen in einem aktuellen Hintergrundpapier und rechnet vor, dass diese mit 24.000 Tonnen pro Jahr insgesamt etwa so hoch seien wie die der Motoren aus PKW oder LKW (22 700 Tonnen). In der Tat zählen auch Kleinfeuerungsanlagen zu den Feinstaubquellen. Denn bei der Verbrennung fällt Asche an, die über den Abgasstrom in die Außenluft gerät. Während eine Heizölheizung auf spezifische Emissionen von 30 mg Feinstaub pro kWh kommt, liegen die Emissionen bei Holzhackschnitzeln bei 150 mg pro Kilowattstunde, bei Pellets bei 77 mg/kWh. Mit diesen Aussagen geraten alle Holzheizungen in die Kritik, Holzzentralheizungen genauso wie einzelne Öfen und Kamine, die oft mehr fürs Auge als zur Wärmegewinnung laufen. Selbst das UBA schränkt jedoch ein, dass vor allem die Einzelraumfeuerungen die Hauptverursacher sind. Auch das bayerische Technologie- und Förderzentrum (TFZ) in Straubing meldet nach Auswertung von Statistiken des Schornsteinfegerhandwerks, dass 32 % der handbeschickten und 36 % der mechanisch beschickten Feuerungsanlagen die Anforderungen der 1 BImSchV nicht erfüllen. Allerdings hat eine aktuelle Studie des TFZ ergeben, dass die Messwerte der Schornsteinfeger von denen der Prüfstandsmessungen zum Teil deutlich abweichen. Als Grund dafür sehen die Wissenschaftler aus Straubing die zum Teil ungenaue Messmethode in der Praxis. Aber auch schwankende Holzqualitäten z.B. bezüglich der Feuchtigkeit oder zunehmende Verunreinigungen können den Feinstaubausstoß beeinflussen. Eine weitere Untersuchung des TFZ zeigt, wie sehr sich die Feuerungssysteme unterscheiden: Die Wissenschaftler haben dabei übliche Scheitholz-, Hackschnitzel- und Pelletkessel mit einem alten Scheitholzkessel verglichen. Ergebnisse: Die 15 kW-Pelletheizung lieferte bei ihrer Nennwärmeleistung mit 20 mg pro m³ Abgas den geringsten Staubausstoß, der deutlich unter dem Grenzwert der 1.BImSchV von 150 mg liegt. Auch die 30 kw-Scheitholzheizung (36 mg) und 50 kW-Hackschnitzelanlage (31 mg) lagen auf niedrigem Niveau. Alle drei Systeme lieferten bei niedriger Wärmeleistung geringere Staubemissionen, dafür einen höheren Anteil Feinstaub. Als Grund nennen die Wissenschaftler die reduzierte Menge an zugeführter Verbrennungsluft. Mit der geringeren Abgasgeschwindigkeit werden größere Partikel nicht mehr mitgerissen. Anders beim „alten“ Scheitholzkessel: Er emittierte 143 mg/m³ bei Nennwärmeleistung und mit 189 mg bei kleinerer Wärmeleistung sogar die neunfache Menge von einem modernen Kessel. Als Grund geben die Forscher kondensierte, unverbrannte Kohlenwasserstoffe an, die sich beim alten Kessel im Abgas befinden. Und alte Feuerungen gibt es genug: Von den rund 14 Mio. Einzelfeuerstätten in Deutschland sind mehr als ein Drittel älter als 30 Jahre, schätzt der Industrieverband Haus-, Heiz- und Küchentechnik e.V. Etwa die Hälfte davon ist derzeit nicht in Betrieb. Das könnte sich aber schnell ändern, wenn zusätzlich zu steigenden Öl- und Gaspreisen die Emissionsgrenzwerte für neue Holzheizanlagen verschärft werden. Denn dann würden genau diese alten Anlagen wieder in Betrieb genommen, weil neue Feuerungen zu teuer werden. Die sehr kontrovers geführte Feinstaubdiskussion war auch Thema der Umweltministerkonferenz der Länder (UMK) Ende Oktober. Die Umweltminister haben dabei mit Blick auf die Novellierung der Bundesimmissionsschutz-Verordnung festgestellt, dass wesentliche Grundlagen der Luftqualitätsrichtlinie noch nicht belastbar wissenschaftlich geklärt sind. Es müsse weitere Analysen geben, die auch die Wirkung der Inhaltsstoffe im Feinstaub näher untersucht, bevor irgendwelche Grenzwerte verabschiedet werden. Es gelte weiterhin bei der Diskussion auch die Lebenswirklichkeit im Auge zu behalten, sonst müsste man beim Feinstaub beispielsweise das Osterfeuer, Silvesterfeuerwerk, Kerzenbrand und das Grillen und vieles mehr betrachten, heißt es dazu aus dem Thüringer Ministerium für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt. Die Debatte um die Feinstaubproblematik müsse daher versachtlicht werden. Mit dem aktuellen Stand zur Feinstaubdiskussion beschäftigt sich auch der Kongress „Biogene Brennstoffe im Wärmemarkt“, der am 25. Januar während der Messe „Clean Energy Power 2007“ in Berlin stattfindet. Dabei geht es nicht nur um Untersuchungsergebnisse zur Feinstaubbelastung im Umfeld von Pellet- und Scheitholzkesseln, sondern auch um neue Verbrennungsverfahren und Praxisbeispiele.

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