Harmony Segelyacht in den Stockholmer Schären

Harmony Segelyacht in den Stockholmer Schären von Blue Yachting Ulrich Schürg

Von: Blue Yachting Ulrich Schürg  15.12.2008
Keywords: Fahrtenyachten


Der Törn über die Ostsee ist ein Spaß mit dieser Yacht. Unter Deck befinden sich ein gemütlicher Salon mit seegerechter Längspantry, der Navigationsplatz, drei bequeme Doppelkabinen und zwei Naßzellen mit Dusche und WC. Die eingebaute Heizung brauchen wir glücklicherweise nicht. Aber der zusätzlich wassergekühlte 200 l Kühlschrank leistet gute Arbeit. An Deck sind sämtliche Schoten und Fallen zum Cockpit geführt. Der Autopilot übernimmt vor allem auf längeren Strecken das Ruder. Eigentlich läßt sich die „Sylt“ ganz prima einhand segeln.
Mit dem Landfall in Schweden begeben wir uns bald in geschützte Küstengewässer. Es gibt eigentlich keinen Seegang und der vorherrschende Westwind wird durch die Landmassen gemildert. Viele Boote ziehen mit uns in gleicher Richtung oder begegnen uns. Darunter die unterschiedlichsten Nationen: Schweden und Finnen, die baltischen Staaten und Rußland, Polen, Deutschland, Holland, wir sehen aber auch Franzosen, Amerikaner, Belgier und Briten. Über unser deutschsprachiges Handbuch mit Beschreibung der angeblich schönsten Naturhäfen und Ankerplätzen sind wir allerdings gar nicht glücklich. Die dort verzeichneten Plätze sind viel zu voll belegt. Dicht ankern oft die Yachten beieinander. Wir kaufen uns deshalb einen schwedischen Revierführer in englischer Sprache und verlassen uns auf unsere Seekarten, um eigens allerbeste Plätze anzusteuern. Am liebsten liegen wir ganz allein in einer Bucht und können ungestört unbekleidet baden.
Wichtig ist für uns, einen guten Platz für unseren Grill an Land zu finden, eine möglichst ebene Felsplatte mit Windschutz und guter Aussicht auf unsere „Sylt“. So entsteht das eine oder andere schöne Foto.
Es ist Ende Juni, absolut die richtige Zeit, um zu den schwedischen Schären zu segeln, besser noch: man ist schon dort. Mittsommernacht – der Mythos lebt weiter, auch im 21. Jahrhundert. Mädchen binden sich einen Blumenkranz ins Haar und tanzen um den Mittsommernachtsbaum. Dazu spielt die Geige, Flöte, Blasinstrumente, manchmal auch ein Klavier, so ist es Brauch auf den Schären, den Inseln und auf dem Land. Die Sonne scheint rund um die Uhr, 24 Stunden. Je nördlicher – je heller in tiefer Nacht. Die Schweden zelebrieren ihren Sommer, fast alle Betriebe sind geschlossen, es sind die Ferien überhaupt. Auch bei den Nachbarn in Norwegen und Finnland wird gefeiert, das Leben findet draußen statt, am liebsten am oder auf dem Wasser, weil die Sonne sich spiegelt und wärmt.
Wir sind nördlich des 60. Breitengrades im Schärengarten nordöstlich von Stockholm. Wer Astrid Lindgren gelesen hat, kennt aus den „Ferien auf Saltkrokan“ die Beschreibungen eines schwedischen Sommertraums. 20.000 Inseln, gezählt werden nur diejenigen, auf denen Häuser stehen, unzählige Schären dazu, die unbewohnt sind. Natur pur und Ruhe. Die Wassertemperatur mißt etwa 18° Celsius und erwärmt sich bis Ende Juli auf 23° bei guter Wetterlage. Das Skandinavienhoch ist zwar nicht garantiert, doch es kommt jedes Jahr, mal stärker und länger oder etwas weniger.
Der Sommer 2008, der sich bei uns in Deutschland nicht gerade rühmlich zeigte, hält jedenfalls in Schweden, was man erwartet. Badehosenwetter und das rund um die Uhr weil die Sonne nicht untergeht. Wir sitzen um 21:00 Uhr auf Utö draußen vor dem Värdshus unter einem Sonnenschirm im Schatten, zu Hause glaubt uns das wieder keiner. Die Mädchen tanzen festlich gekleidet, lachend und singend auf der Wiese.
Es ist der Höhepunkt des Jahres, der wichtigste Feiertag, bedeutender als Weihnachten, Neujahr, Ostern oder Pfingsten. In der skandinavischen Kultur steht Mittsommer an erster Stelle. Jeder ist bei seiner Familie, seinen Freunden, seiner Sommerresidenz. Für viele Skandinavier ist die Mittsommernacht verbunden mit ihrer ersten Liebe, der Blumenkranz ist das Signal der Jungfrau, die einen Mann begehrt. Der Abend wird im Familienkreis mit einem großen Festessen begonnen, meist an einer langen, festlich geschmückten Tafel unter freiem Himmel. Anschließend geht es auf die Festwiese, wo zuvor der Mittsommernachtsbaum aufgestellt wurde. Dort wird bei Sonnenschein die ganze helle Nacht getanzt und gefeiert bis in die frühen Morgenstunden. Danach beginnt der eigentliche Sommer, die großen Ferien, für die meisten Schweden, Norweger und Finnen im eigenen Land, im Ferienhaus am Wasser. Es wird viel gebadet, gefischt und Boot gefahren. So sind auch wir mittendrin und segeln zwischen ungezählten Inseln. Überall gibt es wunderbare Naturhäfen, Ankerplätze und geschützte Buchten. Die nur wenigen kleinen Häfen bieten Versorgung mit Einkaufsmöglichkeiten und Restaurants. Eine Reise in die Schären erfordert sorgfältige Planung und gute Vorratshaltung, das gilt ebenso für die Urlauber mit Zelten, in Ferienhäusern wie auf Yachten.
Das Jedermannsrecht erlaubt dem Touristen, fast überall zu sein und für kurze Zeit zu bleiben, sofern er sich an die Regeln hält, niemanden stört und die Natur respektiert. Es gibt viel zu entdecken, oft in unberührter Natur. Kleine oder größere Wanderungen führen selten auf Pfaden und Wegen statt, gute Orientierung und den Blick für sicheren Grund sind Voraussetzung für Erkundungsgänge. Einsamkeit und die Schönheit der Landschaft sind verlockend. Überall ist das Wasser gegenwärtig. Vor allem in Ostschweden und den Stockholmer Schären dominiert Wald mit Laub- und Nadelbäumen. Rotwild, Füchse, Hasen aber auch Elche sind häufig zu sehen. Zahlreiche Vogelarten, darunter seltene wilde Enten und Gänse, sogar Seeadler leben auf den meist unbewohnten Inseln. Die Ufer sind entweder steil abfallend oder mit Schilf besäumt. Das Fischen ist erlaubt und wer Geduld und Kenntnisse mitbringt, wird seinen Speiseplan bereichern. Beliebt ist überall das Beerensammeln. Wilde Erdbeeren, Himbeeren, Blaubeeren und Brombeeren findet man fast überall. Später im Sommer kommen Pilze, vor allem Pfifferlinge dazu. Ausgefallenes läßt sich gern auch beim Tauchen finden. Das Wasser hat einen niedrigen, kaum spürbaren Salzgehalt und ist sauber und klar. Unterwasser bietet sich eine ganz besondere Welt aus Algen, Tang, Fels und Fischen, dazwischen, in der Nähe der Zivilisation, immer mal wieder untergegangenes. In den Wintermonaten sind die Wasserflächen mit einer dicken geschlossenen Eisdecke überzogen, so daß Autos darauf fahren können. Vieles was im Frühjahr auf dem tauenden Eis liegen geblieben ist, findet sich bei Tauchgängen wieder.
Der wirkliche Sommer ist kurz. Die Wassertemperatur steigt täglich, die Luft ist nachts kaum kühler als tagsüber weil die Sonne durchgehend scheint. Nur 6 bis 8 Wochen dauert der skandinavische Sommer, meist Mitte August ist es schlagartig vorbei. Das Skandinavienhoch wird durch heranziehende Tiefdruckgebiete verdrängt, die Temperaturen sinken, es regnet und weht. Urlauber aus Deutschland oder dem südlicheren Europa machen oft den Fehler, zu spät anzureisen und haben die Chance vertan den Mittsommertraum zu erleben.
Wir genießen die langen Tage und hellen Nächte in der Natur. Die Luft ist wunderbar sauber und es riecht nach Heidekraut und den Blumen der Inselwelt. Leider gibt es bei Sonnenuntergang und Sonnenaufgang eine unangenehme Nebenerscheinung, die uns unweigerlich unter Deck treibt. Die eingebauten und mitgelieferten Fliegengitter unserer Harmony kommen täglich zum Einsatz, die Mücken greifen an. Sie mögen bei aller Schönheit der Landschaft, bei Sonnen- und Badefreuden der einzige unfreundliche Moment in unserem Bootsleben sein. Zum Glück sind es nur ein bis zwei Stunden jeden Tag, in denen die ungebetenen Gäste einfliegen. Es ist die beste Zeit, sich in die Koje zu legen und zu schlafen.
Der skandinavische Sommer ist die schönste Jahreszeit, die mir je begegnet ist. Seit 20 Jahren zieht es mich regelmäßig in die Welt um den 60. Breitengrad, mal nach Norwegen, mal nach Finnland, doch stets nach Schweden. Ich komme zurück, im nächsten Sommer, ganz bestimmt.  Bilder von der Harmony 42 und ihren kleinen und großen Schwestern sind zu finden unter   www.blue-yachting.de



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