Traumjob in der Yachtbranche ?

Traumjob in der Yachtbranche ? von Ulrich Schürg Blue Yachting

Von: Ulrich Schürg Blue Yachting  17.03.2011
Keywords: Yacht, Yachthandel

Glamourwelt Bootsmesse, hier stehen sie in schicken Anzügen neben adretten Hostessen auf den allerschönsten Yachten. Der Schein trügt, denn wenn die Messe vorbei ist, geht es meist direkt in harte Arbeit im Service oder als Makler. Die Yachtbranche kennt keine 40 Stunden Woche, keine regelmäßig freien Abende oder Wochenenden. Gearbeitet wird, wenn der Kunde es fordert.

Freizeitbranche heißt, arbeiten, wenn andere Freizeit haben. Yachthändler haben 10 Monate im Jahr Saison. Nur im Hochsommer und zu Weihnachten gibt es wirklich freie Tage. Das Jahr beginnt mit der Vorbereitung zur BOOT Düsseldorf. Ob an der Adria, in Holland oder Deutschland, vor jeder Messe werden Mailings, Drucksachen erarbeitet, Internetseitenseiten aktualisiert, Messestände zusammengepackt, dann transportiert und aufgebaut. Die Standfläche beträgt nur einen Teil der Messekosten, für viele Händler sind Transport und Bauleistungen der höchste Aufwand. Nur die wenigen ganz großen Werften übernehmen einen Teil der hohen Messeausgaben. Überall auf der Welt sind die meisten Yachthändler Familienbetriebe. Vater, Sohn, Ehefrauen, die jugendlichen Kinder sowie deren Freunde helfen tatkräftig mit. Vor allem bei Seglern fassen die befreundeten Crews mit an. Nicht selten arbeitet ein Teil der Freunde ohne Bezahlung für den Unternehmer und bekommt erst bei Messeerfolg entsprechende Provision. Der Messealltag ist dabei nicht immer motivierend Eine Vielzahl der Besucher sind in der Regel keine potentiellen Käufer, sonder „Sehleute“, die „kijken niet kopen“ (holländisch-deutsch: gucken nicht kaufen). Für die Messemannschaft ist gerade dieses extrem frustrierend, wenn sich im Wassersport unkundige Besucher an Bord unseemännisch verhalten. Es werden Schranktüren aufgerissen, Knöpfe gedrückt, mit Rucksäcken Kratzer in wertvollem Holzfurnier hinterlassen, Schaden entsteht. Ganz anders dagegen verhalten sich kundige Bootfahrer, die höflich fragen, ob sie an Bord kommen dürfen, interessiert um weitere Informationen bitten. Viele Messestände sind deshalb mit einem Empfangstresen versehen, um schon vor der Besichtigung zu klären, ob der Besucher wirkliches Interesse zeigt. Die Yachthändler nehmen Kontaktdaten auf, um später die gewünschten Informationen zur Verfügung zu stellen. Anders als in anderen Branchen, wird der Yachtverkäufer seine Kontakte nicht mit Werbeflut oder Telefonanrufen belästigen. Die selektive Nachbearbeitung der Messe erfolgt gewissenhaft, eher zurückhaltend. Für den Verkäufer eine sehr schwierige Aufgabe, denn auf 1.000 bis 2.000 Standbesucher kommt schließlich nur 1 Käufer. Früher wurde direkt auf der Messe verkauft. So genannte Schnellschüsse gibt es eigentlich heute nicht mehr. Die gut informierten Kunden bereiten sich vor: über die Fachpresse, das Internet, durch frühzeitige Konsultation verschiedener Anbieter, aber auch bei Freunden oder im Verein. Bereits vor der Ausstellung sind sie mit ihrem Händler in Kontakt, haben möglicherweise einen Termin. Viele Bootskäufer nutzen den Besuch mehrerer Messen und Events. Unmittelbar vor dem Kauf wird die Boatshow nochmals zum letzten Vergleich genutzt, danach final entschieden. Für den Yachthändler ist das Messeende der Beginn einer sehr arbeitsreichen Phase. Der Abbau und Transport gleichen einem großen Umzug. Daheim muß alles wieder an seinen Platz. Einige Boote sind gleich für die Auslieferung vorzubereiten, die neuen Kontakte wollen abgearbeitet werden. Es ist Februar, der Countdown zum Saisonstart läuft. Viele Yachthändler betreuen die Schiffe ihrer Kunden jahrelang, so dass die letzten Arbeiten im Winterlager verrichtet werden. Im März und April ist Auswinterung und Auslieferungszeit, die wahre Hochsaison der Wassersportbranche. Dennoch gibt es kleinere regionale Messen, Hausmessen, im späteren Frühjahr einige Inwater-Boatshows, wie die Hanseboot-Ancora-Boat-Show in Neustadt-Ostsee. Parallel kommen neue Boote von den Werften, werden ausgerüstet, prepariert und ausgeliefert. Nicht selten hat in dieser Zeit die Arbeitswoche mehr als 80 Stunden. Nur Enthusiasten können das durchstehen, motiviert weniger durch Bezahlung, als durch Glücksgefühle, die mit Saisonstart bei jedem in der Branche aufkommen. Die Auslieferung an glückliche Kunden, die Veranstaltungen der Kieler Woche, Nordseewoche, vielen weiteren Festen, der bevorstehende Sommerurlaub auf dem Wasser bei bestem Sommerwetter. Schnell vergessen sind die ungezählten Arbeitsstunden, die harten Bedingungen in kalten Winterlagerhallen, die Messen, auch der Ärger mit täglichem Kleinkram, denn es ist Sommer und wunderschön.                Doch die schönste Jahreszeit ist einmal zu Ende, dann beginnen an der Adria, am Bodensee, an der Cote Azur, Riviera sowie Amsterdam-Ijmuiden an der Nordsee die nächsten Bootsmessen. Wieder geht es los mit Vorbereitung, Transporten, Umzug, Aufbau und retour oder Tournee, denn die Herbstmessen laufen bis Weihnachten, unter anderem in Hamburg, Barcelona, Berlin, Paris. Der September ist eigentlicher Saisonbeginn der Wassersportbranche, Nahezu weltweit, auch in den USA, Kanada, in Teilen Asiens ist die Saison mit Europa zeitgleich. Der Herbst hat zwar eher keine Neu-Auslieferungen, ist aber die Kernzeit für die Gebrauchtboote. Fast alle Yachthändler sind auch Yachtmakler, vermitteln also Yachten. Das Maklergeschäft ist international. Yachten und Boote werden über Anzeigen in den Printmedien wie im Internet weltweit präsentiert. So finden Yachten von der Adria Käufer in Skandinavien oder werden von Holland nach Spanien, den USA Richtung Europa verkauft und umgekehrt. Gute Yachthändler verfügen über ein eigenes Netzwerk und erzielen dabei bessere Erfolge, als der Einzelanbieter. Zusätzlich wirkt sich fördernd aus die Reputation des Händlers, der seine Kunden gut berät, Bewertungen, Analysen, Kostenrechnungen erstellt. Das Wertgutachten des renomierten Yachthändlers kostet wenig und hilft sowohl Käufern als auch Verkäufern bei der Vermeidung gravierender Fehler. Immer wieder wird von Scharlatanen, sogar schwarzen Schafen berichtet, die im Wassersportmarkt unwissende Verkäufer und Käufer übervorteilen. Glücklicherweise sind diese, mitunter in betrügerischer Weise handelnden Broker eher selten und von kurzer Aktivität. Das schnelle Geld läßt sich in der Yachtbranche nicht verdienen, auch wenn die Glitzerwelt der Bootsmessen es zu versprechen scheint. Die heutigen Bootskäufer sind bestens ausgebildete Kunden. Sie wissen, dass gründliche Information vor jeder Kaufentscheidung zu stehen hat, lassen sich nicht blenden von hochgestochenen Auftritten. Ein Blick in die Firmenhistorie, die Vita des Yachthändlers, das Internet mit seinen vielen Informationsmöglichkeiten zeigt in der Regel sehr schnell, ob es sich um die seriöse Firma oder eher um zweifelhafte „Experten“ handelt. Wer sich an der Küste auskennt, der weiß sehr wohl, dass es überall so genannte Piraten gibt, nur die sind nicht an ihrer Augenklappe zu erkennen, eher am neuen übergroßen Firmenschild. Der Eigner einer Yacht, hat sich üblicherweise das Geld dafür vorher hart verdient. Erfahrungen und strukturiertes Vorgehen sind nützlich beim Bootskauf. Schädlich dagegen sind Emotionen. Der niedrige Preis, das bestechende Outfit, der glänzende Auftritt können Emotionen hervorrufen. Wer hinterfragt, prüft, sich Zeit nimmt, bewahrt sich vor Schaden und vor allem davor, dass der schönste Tag im Leben des Yachteigners der Tag des Kaufs sein soll. Mit dem wirklich guten, seriösen, langfristig orientierten Yachthändler an seiner Seite, werden dem Eigner viele glückliche Stunden auf seiner Yacht widerfahren. Der gute Yachthändler hilft dem Eigner bei allen anstehenden Fragen um sein Boot, Finanzierung, Versicherung, Ausrüstung, Liegeplatz, Pflege, Betreuung und vieles mehr. Das ist der Grund, warum es im Yachthandel kaum Feierabend oder Wochenende gibt. Der gute Yachthändler ist für seinen Kunden da, vor allem nach dem Kauf, meist viele Jahre.

Wer sein Hobby zum Beruf macht, verbindet gleichsam Freizeit mit Arbeit. Dies ist in der Wassersportbranche nicht anders. Treffend ausdrücken kann es das Sprichwort: Viel Arbeit und wenig Brot. Gelingen kann der Job aber nur, wenn er Spaß macht. Nach sonnigen Stunden auf dem Wasser, der Glanzwelt auf der Messe kommen 7 Tage Wochen bis in den späten Abend grauer Alltag. Ein Traumjob ist die Yachtbranche bestimmt nicht.

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