Erfolg der Aidsprävention in Deutschland: Kondomabsatz und Kondomnutzung so hoch wie nie zuvor

Von: Infodienst Bzga  06.05.2008
Keywords: Prävention, Aidsberatung

Die HIV-Neudiagnosen bei Frauen sind gegenüber dem Vorjahr um 12 Prozent deutlich gesunken, bei Männern sind die Neudiagnosen um 8 Prozent gestiegen. Dabei ist der Anstieg bei Männern, die Sex mit Männern haben (MSM), überproportional. Bei intravenös Drogengebrauchenden sowie Migrantinnen und Migranten gingen die HIV-Diagnosen zurück. Aus Sicht der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) sind mehrere Faktoren für den Anstieg der HIV-Neudiagnosen verantwortlich: - Die intensivere Nachfrage nach dem HIV-Test führt vor allem bei den besonders gefährdeten MSM dazu, dass mehr Infektionen entdeckt werden. - In den letzten Jahren nehmen andere sexuell übertragbaren Krankheiten (STD) wie Syphilis, Gonorrhö, Chlamydien etc. kontinuierlich zu. Sobald eine STD-Infektion vorliegt, steigt die Übertragungswahrscheinlichkeit von HIV pro Sexualkontakt um ein Mehrfaches. - Die Zahl der Menschen, die mit HIV (über)leben, steigt jährlich um rund 4 Prozent. Gerade in den Gefährdetengruppen nimmt damit die Wahrscheinlichkeit zu, bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr auf einen HIV-positiven Menschen zu treffen. Hinzu kommt, dass das zwischen 2000 bis 2004 zu beobachtende rückläufige Schutzverhalten bei den Teilgruppen mit potentiell riskanten Verhaltensweisen zu einem erhöhten Infektionsrisiko geführt hat. Das Bundesministerium für Gesundheit hat ab 2007 die finanziellen Mittel für die Aidsprävention in Deutschland jährlich um 3 Mio. Euro erhöht. Außerdem stehen durch die finanzielle Unterstützung durch den Verband der Privaten Krankenversicherung e.V. seit 2005 zusätzliche Mittel von jährlich 3,4 Mio. Euro für die Aidsprävention zur Verfügung. Vor diesem Hintergrund hat die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zusammen mit der Deutschen AIDS-Hilfe die Präventionsmaßnahmen in den letzten Jahren deutlich verstärkt. Als ein Erfolg dieser intensiven Aids-Aufklärung ist der seit 2004/2005 zu beobachtende Anstieg des Schutzes durch Kondomnutzung zu bewerten, der sich auch im Jahr 2007 weiter fortsetzt. Dies zeigen die Daten der repräsentativen Wiederholungsbefragung „Aids im öffentlichen Bewusstsein der Bundesrepublik Deutschland“, die die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung seit 1987 jährlich durchführt. Die Kondomnutzung stieg im Zeitraum 2004 bis 2007 - in der sexuell aktiven Gruppe der 16- bis 44-jährigen Alleinlebenden von 69 auf 74 Prozent an und der Anteil derer, die nie Kondome benutzen, sank von 31 auf 26 Prozent. - bei Personen mit wechselnden Sexualpartnerinnen und Sexualpartnern um 10 Prozentpunkte und beträgt nun 87 Prozent. Parallel dazu ging der Anteil der „Nie-Nutzer“ von 23 auf 14 Prozent zurück. - ebenfalls um 10 Prozentpunkte von 70 auf 80 Prozent bei denjenigen, die eine neue Sexualbeziehung in den letzten 12 Monaten begonnen hatten. Die positive Entwicklung des Schutzverhaltens verläuft parallel zu den Kondomabsatzzahlen. So nimmt der Absatz der Kondome nach einem Rückgang zwischen 2000 bis 2003 wieder kontinuierlich zu und liegt im Jahr 2007 auf dem bisher höchsten Wert von 209 Mio. Kondomen. Auch in der Gruppe mit dem höchsten Zuwachs an HIV-Neudiagnosen, den Männern, die Sex mit Männern haben, finden sich insgesamt keine Hinweise auf ein Nachlassen des Schutzverhaltens. Die Inanspruchnahme des HIV-Testes ist in dieser Gruppe besonders hoch. Dies ist das Ergebnis der Wiederholungsbefragung „Wie leben schwule Männer heute“, die im Auftrag der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung vom Wissenschaftszentrum Berlin unter der Leitung von Prof. Dr. Rolf Rosenbrock durchgeführt wurde. Während also einerseits die HIV-Neuinfektionen steigen, andererseits das Schutzverhalten auf einem stabilen bzw. sogar steigenden Niveau liegt, muss nach den Gründen für diese Entwicklung gefragt werden. Aus Sicht der BZgA gibt es trotz der Präventionserfolge Teilgruppen der sexuell aktiven Bevölkerung (insbesondere MSM), die sich nicht hinreichend vor HIV schützen. Diese Gruppen werden deshalb vor dem Hintergrund der zusätzlichen Gefährdungsfaktoren wie zunehmende andere sexuell übertragbare Krankheiten oder die steigende Zahl HIV-positiver Menschen zukünftig noch intensiver mit gezielten Präventionsangeboten angesprochen. Hierfür sind auch neue Formen der Kooperation mit dem ärztlichen Sektor und qualitätsgesicherte, schwellenarm erreichbare Beratung, Diagnose und Therapie sexuell übertragbarer Krankheiten insgesamt erforderlich.

Keywords: Aidsberatung, Prävention

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