Dohlennester in Schornsteinen

Von: Bernd Wülpern Schornsteinfeger  10.07.2008
Keywords: Schornsteinreinigung

Wenn Dohlen auf den Schornsteinen nisten, ist das Leben der Hausbewohner in Gefahr. Die Gefahren sollten nicht unterschätzt werden. „In Herne verstarben am 28. März des Jahres eine 40.jährige Mutter mit Ihren Kindern 8 und 19 Jahre und am Pfingsten verstarb eine 27-jährige Studentin aus Geestemünde Süd an einer Kohlenmonoxidvergiftung“, weil sich eine Dohle im Schornsteinschacht verfangen hatte, berichtet Bernd Wülpern vom Vorstand der Schornsteinfegerinnung Stade.Die Vögel erleben in diesen Tagen ihren Frühling. Die munteren Tierchen suchen sich leider allzu oft Schornsteine aus, um dort ihre Nester zu bauen. Es interessiert Dohlen wenig, dass durch die Schornsteine eigentlich die Abgase abziehen sollen. Die Rabenvögel werfen ihre Zweige in den Schacht, wo sie sich verfangen, wird weiter gebaut. Damit nimmt das Unglück endgültig seinen Lauf: Der Schornstein ist in der Regel seiner Funktion beraubt. Das eigentliche Problem besteht darin, dass die Betreiber der Gas, -Öl, - und Feststoff-Feuerungsanlagen davon oft nichts mitbekommen. Also läuft die Feuerstätte weiter, die Gase treten im Aufstellraum aus. Dies kann zu einer Kohlenmonoxid-Vergiftung führen, die tödlich enden kann. Kohlenmonoxid ist schwerer als Sauerstoff und sammelt sich am Boden und baut sich in Schichten auf. Das Blut verliert immer mehr Sauerstoff, weil sich das Atemgift viel leichter an das Hämoglobin der roten Blutkörperchen bindet. Tod durch Sauerstoffmangel ist bei entsprechender Konzentration die Folge. Kohlenmonoxid ist farblos, geruchlos und geschmacklos und wird von den Menschlichen Sinnen nicht erkannt. Er ruft alle Hausbesitzer zur Aufmerksamkeit auf, wenn die Dohlen immer wieder auf dem Schornstein sitzen, ist dies meist ein Indiz für ein Nest. Man kann seinen Schornstein selbst mit einem kleinen Taschenspiegel kontrollieren, sieht man kein Licht von oben sollte sofort der zuständige Schornsteinfeger informiert werden. Um sicher zu gehen, kann in den gefährdeten Gebieten vorsorglich ein spezielles Dohlenschutzgitter an der Mündung der Schornsteine installiert werden. Bei unbenutzten Schornsteinen ohne Feuerstättenanschluß ist dieses nicht unbedingt erforderlich. Die Dohle brütet in etwa 1,50 m Tiefe. „Sie mögen es warm“, sagt Wülpern und ergänzt: „Die Dohlen dichten den Abzug vollkommen ab“. Die Rabenvögel seien „sehr gesellige und kluge Vögel“. Der Verhaltensforscher Konrad Lorenz berichtete, dass die Dohlen beispielsweise Brötchen in Kamine fallen lassen, um anhand der Fallgeräusche festzustellen, ob ein Schornstein ausreichend Halt für ein Nest bietet.

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