Aus deutscher Teilungszeit. Eine Ost-West-Biografie

Aus deutscher Teilungszeit. Eine Ost-West-Biografie von Helios Verlag

Von: Helios Verlag  23.04.2009
Keywords: Bücher, Verlag, Buch

 

Karl-Heinz Pröhuber: Herr Lapp, Sie haben soeben Ihre Autobiografie vorgelegt. Das Angebot an derartigen Büchern ist kaum noch überschaubar. Was versprechen Sie sich von dieser Veröffentlichung?

Peter Joachim Lapp

: Nach meiner Überzeugung sollte jeder Mensch über sechzig seine Biografie schreiben. Das ist ein Stück Selbsttherapie. Natürlich ist eine solche Biografie für die allermeisten Mitmenschen erst einmal ohne Bedeutung, - das dürfte auch in meinem Fall so sein. Ich meine aber, dass diese Biografie, die vor dem Hintergrund der deutschen Teilung spielt, viele Menschen ansprechen kann, die in zwei deutschen Staaten leben mussten und darunter gelitten haben.

Karl-Heinz Pröhuber

: Sie haben eine Ost-West-Vergangenheit, lebten in beiden Staaten im früher geteilten Land. Wie kam es dazu?

Peter Joachim Lapp

: Das hatte familiäre Gründe, denn meine Familie lebte im Westen und im Osten. In den Schulferien war ich oft bei den Großeltern in der DDR. Im Alter von 17 Jahren bin ich dann Anfang 1959 zu ihnen gezogen, also vom Westen in den Osten gegangen. Ein folgenreicher Schritt, denn nach einem Jahr in der DDR verhaftete mich das MfS, weil ich mit anderen Jugendlichen eine staatsfeindliche Gruppe gebildet hatte. Widerstand war das nicht, sondern nur Rebellion gegen Zwänge im Alltag, gegen Vorgesetzte. Allerdings hatten wir ein abenteuerliches Programm aufgestellt, wie wir gegen den Staat vorgehen wollten. Und das nahm die Stasi sehr ernst. Schließlich erhielten 1960 drei meiner Kameraden Haftstrafen bis zu zwei Jahren, ich als Anführer 4 Jahre und 6 Monate Zuchthaus.

Karl-Heinz Pröhuber

: Sie waren dann bis 1964 in Haft. Wie haben Sie das überstanden?

Peter Joachim Lapp

: Ich war 18 Jahre alt, als man mich inhaftierte, und 22 Jahre, als ich vom Westen freigekauft wurde. Im Zuchthaus bin ich zum Gegner des Systems geworden, der ich zunächst nicht war. Aus heutiger Sicht werte ich diese Zeit als harte Schule, auch als eine Art Vorstudienanstalt. Meiner Meinung nach ging ich gestärkt aus der Haft hervor, da ich gelernt hatte, mit unangenehmen Situationen umzugehen. Was mir später oft geholfen hat. Irgendwo gab es sicher auch Beschädigungen, die ich aber verdrängte.

Karl-Heinz Pröhuber

: Wieder im Westen konnten Sie studieren und hatten beruflich Erfolg. Das war bei Ihren Voraussetzungen nicht selbstverständlich. Oder?

Peter Joachim Lapp

: Ich hatte nur einen Volksschulabschluss und eine nicht abgeschlossene kaufmännische Lehre. Mit 23 Jahren habe ich meine Lehre beenden können und begann 1966 in Hamburg über den 2. Bildungsweg zu studieren. Später ging ich für 20 Jahre als politischer Redakteur zum Deutschlandfunk. Auf besondere Weise blieb ich damit der DDR treu und konnte viele Bücher über diesen Staat schreiben. Alles was ich anfasste, hatte mit der DDR zu tun. Und damit auch mit der deutschen Teilung, für deren Überwindung ich mich im Rahmen meiner Möglichkeiten in der Ost-West-Abteilung im Deutschlandfunk einsetzen konnte. In der vorgelegten Autobiografie wird das deutlich.

"Aus deutscher Teilungszeit. Eine Ost-West-Biografie"
208 Seiten, 39 Abbildungen, 17 x 23,5 cm, ISBN 978-3-938208-98-4, Helios Verlag 2009

Keywords: Buch, Bücher, Buchproduktion, Buchproduktionen, Verlag, Zeitgeschichte