Einmal um die ganze Welt

Einmal um die ganze Welt von OPERA Hostel

Von: OPERA Hostel  30.09.2007

Hattest du ein besonders extremes Erlebnis während deiner Tour, was besonders positiv oder negativ in deiner Erinnerung geblieben ist? An einem einzigen Erlebnis kann man das nicht festmachen. Alles war besonders. Besonders schön und besonders interessant. Da gab es viele wirklich beeindruckende Sachen zu berichten, aber dafür reicht unsere Zeit nicht aus. Hier nur ein Beispiel, eine Geschichte, die typisch ist für das, was ich erlebt habe: Ich stehe in 5 500 m Höhe am Rande der Atacama (Salzwüste), an der Grenze zwischen Bolivien und Chile – da hält ein Leihwagen mit drei Leuten an, darunter eine Deutsche. Die nehmen mich mit nach Chile rein, dort treffe ich Sarah, die zu den dreien gehört. Ich fahre mit ihnen im Mietwagen eine Woche mit, Sarah entschließt sich, mit mir weiterzutrampen. Wir touren drei Monate zusammen durch Chile und Patagonien. In Buenos Aires treffen wir uns mit Alexandra (eine Freundin aus Erfurt).Wir ziehen dann einige Monate zu dritt weiter, dann geht Alexandra durch den Amazonas nach Bolivien/ Peru, Sarah muss zurück nach Deutschland und beschließt kurz darauf, nach Barcelona zu ziehen, um dort zu leben und zu arbeiten. Ich lerne Xavier kennen (ein Spanier) und bringe Wochen später sein Boot aus der Karibik zu den Azoren. Wieder Monate später: nach einem Afrika-Abstecher besuche ich Sarah in Barcelona, die immer noch Arbeit sucht. Wir laufen durch Barcelona ... und treffen Xavier! Am nächsten Tag hatte Sarah über Xavier einen Job und heute eine Karriere als Messe-Managerin. Und Alexandra ist heute mit mir in Erfurt. Die Welt ist doch echt klein, oder? Gab es für dich jemals einen Zeitpunkt, an dem du aufgeben und abreisen wolltest? Nein. Nie. Nicht einen Augenblick! War das Trampen nicht in manchen Gebieten gefährlich? Nein. Ganz im Gegenteil. Die Entscheidung zu trampen war die beste, die ich für mich treffen konnte. Die Leute sind freundlich, wollen helfen, passen auf dich auf, beschenken dich und bieten sogar Geld an. Ich habe Menschen und Ecken gesehen, die ich sonst niemals kennen gelernt hätte. Wenn man mit dem Menschen redet, ist er dein Freund. Außerdem war es meist sicherer als in den öffentlichen Verkehrsmitteln. Etwas schwierig zu trampen war es in Vietnam, weil die Leute es dort nicht verstanden haben, warum ein reicher Europäer nicht den ohnehin super billigen Bus nehmen will. Oder aber in voll globalisierten Ländern wie z. B. Brasilien und Spanien ist es einfach hart – in den vermeintlich "am höchsten entwickelten Gesellschaften" tritt das Selbstbewusstsein eigenartigerweise häufig durch Vorurteile, Egoismus und Ignoranz zutage. Wie hast du alles finanziert? Wie schon gesagt, die Menschen sind überall sehr gastfreundlich. Ich bin manchmal wochenlang bei den Leuten geblieben, die mich zuerst eingeladen haben, und mich dann nicht weglassen wollten. Ich war oft wie ein Teil der Familie und habe sogar den Haustürschlüssel bekommen. Ich habe für diese drei Jahre insgesamt weniger als für einen neuen Kleinwagen ausgegeben und habe dabei nie sparen müssen. Ich habe gelebt wie Gott in Frankreich. Beispiel: in ganzen neun Monaten in Australien und Neuseeland habe ich lediglich eine Übernachtung bezahlt, viel Spaß gehabt und Sachen völlig gratis erlebt, für die viele Leute haufenweise Geld ausgeben, Segeln, Bungee, Paragliden und Tauchen, Sehenswürdigkeiten und heilige Orte, Menschen, Kulturen und Traditionen lebensecht und hautnah erlebt. Dein Fazit? 200 000 (!) wundervolle Bilder aus 67 Ländern und unzählige Geschichten, die ich erleben durfte. Und die Erkenntnis, dass ich 15 Jahre zu früh zurückgekommen bin. Wenn du Deutschland verlassen solltest – wo würdest du leben wollen? Meine erste Wahl wäre Columbien, weil diese Menschen so wunderbar sind und das Land traumhaft schön. Meine zweite Wahl wäre Neuseeland. Auch da sind die Menschen so herzlich und offen. War es nun schwer, wieder in den Alltag zurückzukommen? Einen Alltag im herkömmlichen Sinne gibt es nicht für mich. Ich brauchte sicher einige Tage zur Orientierung, habe mich dann aber auch gleich in ein neues Projekt gestürzt. Das bringt Abwechslung, keinen Alltag. Was wird das nun schon wieder für ein Projekt sein? Ich werde im Mai mit meiner Partnerin Alexandra in Erfurt das Opera-Hostel – direkt neben der Alten Oper – eröffnen. Auch da trifft man wieder lauter zunächst fremde, aber nette Leute. Wir investieren viel Herz in dieses Projekt und wollen, dass es was ganz Besonderes wird. So habe ich z. B. die Betten und andere Einrichtung selbst entworfen und lasse sie gerade von einem Kunstschmied anfertigen. Heißt das, dass du nun in Erfurt bleibst? Das wird sich zeigen. Zunächst wollen wir eröffnen und alles tun, damit wir viele zufriedene Gäste begrüßen können. Wenn dann alles läuft, sehen wir weiter.